Mittwoch, 29. Juni 2016

„Wer auch immer ein einziges Leben rettet, der ist, als ob er die ganze Welt gerettet hätte”

 

Nun liegt endlich das lange versprochene Interview mit SCHLACHTUNG vor. Ich muss dazu sagen, dass ich die Band damals in der Demo-Ecke des Rock Hard entdeckte, und mir ihre grindig-crustigen Songs damals schon sehr gefielen, zusätzlich punktete die Band noch mir einer radikalen Animal Rights-Attitüde. Die neuen Songs sind aber nochmals eine Steigerung zum schon sehr guten Vorgänger, sie sind vielschichtiger, da hier auch verstärkt Elemente aus dem Black Metal eingeflossen sind. Zudem will ich nicht unerwähnt lassen, das mir selten so reflektierte Gesprächspartner im Musikbereich über den Weg gelaufen sind, es ist eines der interessantesten Interviews geworden, die ich bisher geführt habe. Aber lest nun selbst..



Hallo, stellt die Band doch mal kurz vor. Seit wann gibt's euch, warum habt ihr die Band gegründet ?

Micha: Moin Gerald! Zu SCHLACHTUNG gehören Chris (6-Saiten), Holger (4-Saiten), Moritz (Trommel) und ich, Micha (Worte). Ursprünglich kamen wir alle aus Paderborn und direkter Umgebung, allerdings hat sich das arbeitsbedingt etwas geändert, sodass wir nun im Dreieck Paderborn – Münster – Lemgo leben, was besonders im Hinblick auf Proben natürlich gewisse Kompromissbereitschaft voraussetzt. Klappt aber, wenn man es will!
Uns als Band gibt es tatsächlich schon seit nunmehr fast sieben Jahren. Irgendwann 2009 – so genau weiß ich das gar nicht mehr – begannen die ersten Jam-Sessions, nachdem Chris infolge des Dahinsiechens seiner alten Band angefangen hatte, kurze grindig-crustige Songs zu schreiben. Holger, der Grindcore á la Extreme Noise Terror und Napalm Death neben Whisky vermutlich schon als Säugling im Fläschchen hatte (wir sind uns ziemlich sicher!), und er kamen auf irgendeiner Veranstaltung ins Gespräch und mit Moritz am Schlagzeug fanden dann die ersten Proben statt – wohlgemerkt noch ohne mich. Die Band war, bevor ich dazu kam, rein musikalisch orientiert – getreu dem Motto: Es gibt drei Beats: Blastbeat, D-Beat, Doublebass.
Nebenbei liefen aber noch die „Hauptbands“ von allen, sodass diese Band zunächst nur ein Projekt war. Das blieb auch so, als ich zur Band dazustieß. Wir kannten uns alle bereits durch unsere alten bzw. anderen Bands, hatten hier und da schon mal mehr oder minder miteinander gespielt und irgendwann fragten sie mich, ob ich dort nicht singen wolle, ich dürfe auch sehr gerne meine Überzeugung in die Texte packen, um dem ganzen dadurch eine extremere Note zu geben. Und zack, hatten sie mich! Denn ganz genau das tat ich dann auch. Da mir die Themen, die ich raus- schreie so am Herzen liegen, war es klar für mich, die ganze Geschichte auf deutsch durchzuziehen und das wird auch so bleiben.


Soweit ich das beurteilen kann, spielt ihr auf einem technisch ganz guten Niveau, insofern denke ich schon, dass es da einige Vorgänger-Bands gab, oder ?

Micha: Danke! Da freuen sich die Instrumentalisten, haha. Du hast völlig recht mit deiner Vermutung. Ich sprach ja schon davon, dass SCHLACHTUNG am Anfang insbesondere nur ein Projekt neben den Hauptbands war.
Chris' alte Deathmetal-Band Hexenhammer hat sich nach einem Album selbst in den Permafrost-Schlaf geschickt, sodass er der einzige war, der neben seinem Studium nichts musikalisch laufen hatte. Das führte dazu, dass er für SCHLACHTUNG nun umso mehr Power hatte, zumal er hier musikalisch seine Vision voll verfolgen konnte.
Holger war um die Jahrtausendwende mit Greed (groovender Neo-Thrash) ziemlich gut im Rennen, hatte zur Gründungszeit von SCHLACHTUNG allerdings Greed schon zu Grabe getragen, aber nicht ohne mit einigen der Greed-Jungs das Thrashmetal-Kommando Gods Will Be Done zu gründen. Du siehst – obwohl Holger der totale Grind-Maniac ist, hatte er bis dato keine solche Band, was schlicht dazu führen musste, dass er seit Gründung von SCHLACHTUNG mit vollem Herzblut dabei ist.
Moritz hat seine musikalischen Wurzeln im Hardcore und trommelte zunächst bei Intruder, später dann bei Steve Austin (Link zum kostenlosen Download der Discography bei Yakuzzi Tapes ist unten aufgeführt, lohnt sich !), welche für ihn wohl wohl die Brücke vom Hardcore zum Metal bildeten, wobei er zu der Zeit ohnehin schon viel Metalgeballer hörte. Ich glaube, Steve Austin war aber schon recht tot, als SCHLACHTUNG gegründet wurde. Im Jahr 2009 war Moritz dann mit Bloodwork (Melodic Death Metal) ziemlich erfolgreich auf den großen Festivals und in den Clubs in Deutschland und den angrenzenden Ländern unterwegs. SCHLACHTUNG war für ihn ein wichtiger Ausgleich neben den im Vergleich gemäßigteren Bloodwork, weshalb auch er Feuer und Flamme für dieses Projekt war, weil er endlich hemmungslos blasten konnte.
Ich habe zu der Zeit bei Despised gesungen, meiner Death Metal-Band, die ich 2003 mitbegründet hatte. Später, 2011, stieg ich dann auch als fester Sänger bei Bloodwork mit ein. Zu der Zeit, als wir SCHLACHTUNG formierten, war das aber noch nicht abzusehen.
Tja, und wie ich schon gesagt habe: ich war sehr motiviert, als mir klar wurde, dass ich meine Überzeugung in extremer Musik, irgendwo zwischen Death, Black und Grind, ausdrücken konnte.
Du merkst also – wir vier waren alle individuell extrem motiviert und mussten nur schauen wie wir  SCHLACHTUNG neben Job, Studium, Familie und anderen Bands gerecht werden konnten.


Im Gegensatz zum Debüt (kann auf der Bandcamp-Seite kostenlos heruntergeladen werden, Link am Ende des Interviews) ist euer Sound doch um einiges vielschichtiger und damit auch interessanter geworden, ich denke da nur an die verstärkten Black Metal - Elemente. War das eine bewusste Entscheidung oder ist das einfach „so passiert“ ? Ich finde die neue Scheibe letztlich doch um einiges stärker als das alte Material, wobei dies ja auch schon sehr gut war...

Micha: Ha! Das freut mich, dass du das so siehst – wir sind da vollkommen bei dir, besonders was das Vielschichtigere angeht! Bisher hat auch noch niemand gesagt, dass er den alten Kram besser findet. Aber ich finde, dass wir auf der EP da mitunter wahnsinnig starke Songs geschrieben hatten. In unserem Live-Set passen die alten kurzen, knackigen und die neuen, etwas längeren Songs problemlos zusammen.
Ich glaube, die Sache mit dem Blackmetal war eine Kombination dessen, was du angedeutet hast. Auf der EP gab es zwei Lieder („ManiVest“ & „Hinter tausend Stäben“), die schon recht starke Black Metal-Elemente in sich hatten. Die ersten „Mahnmal“-Songs waren eine logische Weiterführung der alten Sachen, einerseits im Grind-Bereich, andererseits im Death-Bereich. Tja, und dann kam „Verblendung“ und öffnete die Tore zwischen Grind und Black Metal, aus denen im Folgenden immer mehr der Pesthauch des Black Metals floss, haha. Und wir haben den pechschwarzen Strom fließen lassen.....
Ich habe das total gefeiert. Du musst wissen, dass ich immer schon Black Metal gehört habe, hauptsächlich die Sachen der 2nd Wave. Chris und Moritz entwickelten dann irgendwie während des Schreibprozesses eine immer wachsendere Begeisterung für Black Metal, was sich dann letztendlich auch im Songwriting (Riffs, Strukturen, Atmosphäre) widergespiegelt hat.
Die Genre-Mischung auf „Mahnmal“ ist in ihrer Vielschichtigkeit aber letztlich kein bewusstes Produkt. Wenn wir der Meinung waren, dass auf diesen melodischen, schwarzmetallischen Blastbeat einfach ein punkiger D-Beat folgen muss, dann kam der dahin. Punkt. Nebenbei bemerkt ist ja Black Metal – wie auch der (v.a. schwedische) Death Metal – bei der Geburt des Genres mitunter stark vom Punk beeinflusst gewesen. Sprich: Das muss einfach zusammenpassen. Hör dir mal Darkthrones „In the shadow of the horns“ ab etwas über der Mitte an, oder auch Carnage, Entombed oder Unleashed in ihren Anfängen, ebenso Obituary und Autopsy, wenn wir über den großen Teich blicken wollen.
Aber so bringt jeder das mit ein, was ihn gerade antreibt. Chris z.B. ist neben seiner momentanen Vorliebe für Black Metal seit Ewigkeiten unheimlich an Crust interessiert. Als wir SCHLACHTUNG gründeten, hat er mich erst mit Bands wie Fall of Efrafa, Ekkaia, From Ashes Rise oder Disfear infiziert. Vorher hatte ich diese Bands gar nicht auf dem Schirm.

Erzählt mal was über die Release-Party für's neue Album, wie war es ? Und wieviele Konzerte habt ihr schon gespielt, mit welchen Bands und wie waren die Reaktionen ?

Micha: Die Release-Party war richtig gut! Wir wussten zwar, dass wir mit dem Package an Bands nicht den Mainstream-Hörer erreichen würden, aber das ist völlig okay; wir hatten gute Besucherzahlen, trotz Veranstaltungen wie Rock im Revier mit Maiden oder dem Alerta Antifascista Death Fest in Hannover am gleichen Tag. Der Saal war voll und die Rückmeldungen grandios. Die Bands haben super zueinander gepasst und auch wenn das Spektrum etwas weitergefasst war, war alles das, was wir in die Musik von SCHLACHTUNG packen, an dem Abend auch in den anderen Bands vorhanden. Als Tipp von mir also an alle Freunde ehrlicher Underground-Musik: Tongue, Shitshifter und Opium Divan antesten! Lohnt sich definitiv !
Wahnsinnig viele Konzerte haben wir noch nicht gespielt, was u.a. am damaligen „Projekt-Status“ der Band lag. Nichtsdestotrotz waren da schon einige Highlights darunter, wie die Shows mit Yacöpsae, Morgoth oder Oathbreaker. Momentan sind wir aber aktiv auf der Suche nach Veranstaltern, um vermehrt live spielen zu können.

Warum habt ihr Euch entschieden, das Album nur als LP zu veröffentlichen ? Obwohl es doch eine Version mit beigelegter CD gibt, oder ? Wie hoch ist denn die Auflage und ist das Label namens „Serpentes“ von Euch extra für Schlachtung gegründet worden, im Netz findet man zum Label nämlich kaum Infos. Daran anschliessend die Frage: Lohnt sich für eine kleine Band wie Euch überhaupt der Vertrieb über Cargo , die meisten werden doch sowieso direkt über Euch bestellen, oder ?

Micha: Um diese Fragen zu beantworten muss ich Holger gleich mal mit ins Boot holen. Was ich dazu sagen kann, ist, dass wir alle schon immer eine Veröffentlichung einer eigenen Band auf LP haben. Wollten. CD-VÖs hatten wir alle schon, auch über kleinere Labels. Außerdem sind wir mitunter selbst Vinyl-Fans und wissen, dass das Medium gut zu unserer Musik passen würde. Die Sache mit den CDs ist folgende: Klar ist bei jeder LP von uns ein Downloadcode dabei, womit du dir deine eigene CD brennen kannst. Wenn du aber bei uns kaufst, gibt es die CD in Vinyloptik als Beigabe dazu. Ist natürlich für viele auch ein Kaufanreiz und ein kleines Dankeschön an alle, die direkt bei uns bestellen. Wir haben für Shows 100  Stück in edlem weißen Vinyl, passend zum Cover, machen lassen. Da ist jetzt weniger als die Hälfte nur noch übrig nach der Release-Party. Die schwarzen sind begrenzt auf 400.
Wie gesagt, den Rest muss Holger erzählen...

Holger: „Serpentes“ ist im Zuge der Produktion des Albums entstanden. Wir haben ja alle in der Vergangenheit mit anderen Bands unsere Erfahrungen mit diversen Plattenfirmen gesammelt. Als die Idee aufkam, „Mahnmal“ auf Vinyl zu veröffentlichen und Cargo Interesse an SCHLACHTUNG zeigte, dachte ich mir, das Ding ohne ein renommiertes Label durchzuziehen. Ganz ohne Hilfe ging`s natürlich auch nicht und deswegen bin ich sehr dankbar, dass „Stargazer Rec.“ die Promo-Arbeit übernommen haben.
Mit Cargo als Vertriebspartner ist die Scheibe natürlich weitreichender erhältlich. Wer kennt die Situation nicht, wenn man beim Stöbern im Plattenladen des Vertrauens oder einer Kette auf ein visuell ansprechendes Produkt trifft? Die Neugierde ist geweckt und man hört rein oder informiert sich im Netz darüber. Eventuell tätigt man sogar einen spontanen Verdachtkauf. Sicherlich laufen bei unbekannteren Bands hauptsächlich die Verkäufe über die eigenen Websites oder Shops, aber letztendlich ist es schön zu wissen, dass die Platte überall erhältlich ist.

„Unser Wohlstand baut darauf auf, dass andere keinen Wohlstand haben..... Kapitalismus ist die Büchse der Pandora unserer Zeit.“ 

,,Wir haben kein Informations-Defizit, wir haben ein Umsetzungs-Defizit.

 


Kommen wir zu den meiner Meinung nach sehr guten Texten, die zwar direkt die Dinge beim Namen nennen,aber nicht plump sind. Sehr gut finde ich den Text zu „...und Mammon lacht“. Ich denke auch, dass die Welt, gerade auch im Zeitalter der Globalisierung, total aus den Fugen geraten ist. Megakonzerne wie Amazon oder Microsoft  zahlen teilweise keine oder kaum Steuern in manchen Ländern, haben Ihren offiziellen Firmensitz in Steueroasen. Nationale Regierungen und Staaten werden erpressbar, nach dem Motto: Wenn unsere Firma nicht Subventionen und Steuererleichterungen kriegt, gehen wir eben in ein anderes Land etc.
Die Frage ist nur, was könnte man dagegen machen ? Wenn sich Staaten absprechen würden, wenn es schon in Europa einheitliche Steuersätze geben würde, wäre dem ja erstmal ein Riegel vorgeschoben, allein der Glaube fehlt mir. Was denkt ihr darüber, was könnte man verändern, sowohl auf politischer als auch auf persönlicher Ebene ?

Micha: Hey, danke!  Freut mich immer, wenn ich positives Feedback zu den Texten lese/höre.
Mit deinen Anmerkungen und Thesen/Fragen machst du ein großes Fass auf und wir könnten da bestimmt stundenlang drüber reden. Globalisierung ist ein riesiges Thema, ein fieser Moloch, den wir und v.a. die kommenden Generationen irgendwie bändigen müssen. Klar gibt es auch Lichtseiten neben den Schattenseiten, aber kurz gesagt teile ich deine Auffassung, was den Zustand der Welt (Politik und Wirtschaft) angeht.
In „...und Mammon lacht“ geht es genau darum, wie wir alle in dieses Netz eingeflochten sind. Unser Wohlstand baut darauf auf, dass andere keinen Wohlstand haben. Wir maximieren unseren Gewinn, indem wir den Gewinn der anderen klein halten. Kapitalismus ist die Büchse der Pandora unserer Zeit. Die Gier nach Geld und Macht ( - Geld v.a. als Mittel, um Macht zu erlangen) prägt die Weltwirtschaft und wird uns eingeimpft, sobald wir denken können. Und am Ende ist es der Dämon Geld, der lacht, weil ihm dermaßen gehuldigt wird, wie es die heutige Gesellschaft tut.
Ob wir da irgendwie raus können, weiß ich nicht. Kapitalismus abschaffen? Sozialismus, ohne dass er zur Diktatur pervertiert? Kann das klappen? Ich weiß es nicht. Kein Plan. Vielleicht können wir uns nur in gewissen Grenzen bewegen. Aber innerhalb dieser Grenzen ist es möglich, die Welt etwas besser zu machen. Jeder für sich. Aber da muss auch wirklich jeder dann etwas tun...
Klar, die Politik muss auch etwas ändern. Einwirken können wir da tatsächlich nur bedingt in unserer repräsentativen Demokratie, z.B. durch Aktionen in Zusammenarbeit mit Interessenverbänden, Mitarbeit in NGOs und durch Wahlen, um drei Möglichkeiten zu nennen. Aber wir können nicht alle Verantwortung auf „die da oben“ abschieben. Das ist zu bequem. So wird das nichts.
Viel Macht haben wir z.B. als Konsumenten. Wenn ich um schlechte Bedingungen, wie bei der Produktion von Schokolade und Kaffee weiß, dann bemühe ich mich, fair gehandelte Produkte zu bekommen. Wenn ich weiß, dass für Coca-Cola und Pepsi Kinder auf den Feldern stehen und Gewerkschafter liquidiert werden, wenn sie für faire Löhne kämpfen, dann verzichte ich fortan auch auf diese Marken. Wenn ich weiß, dass Nestlé den Zugang zu Grundwasser nicht als Menschenrecht ansieht, das Wasser abpumpt und den Menschen dann zu hohen Preisen verkauft, dann boykottiere ich diese Marke und alle, die damit verbunden sind. Im Internet findest du genug Infomaterial und Grafiken, die uns die Augen öffnen und uns aufklären. Wir haben kein Informations-Defizit, wir haben ein Umsetzung-Defizit ( - frei nach Hagen Rether). Wenn ich darüber hinaus weiß, dass in der Produktion von High-Tech-Geräten wie Handys oder Computern das Mineral Coltan benutzt wird, das in Afrika dazu führt, dass Bürgerkriege am Laufen gehalten werden und welches so heiß und blutig gehandelt wird wie Blutdiamanten, dann kaufe ich nicht ständig neue Handys und Computer, repariere alte oder „brauche“ alte Geräte von Freunden und Verwandten „auf“. Ethisch und moralisch korrekt zu leben, ist für mich ein Weg, kein Ziel. Niemand ist perfekt. Ich auch nicht. Lange nicht. Aber ich kann meine Möglichkeiten, die mir meine Lebensumstände bieten, nutzen! Für mich persönlich gehört auch das zum vegan leben - Für die Tiere, die Menschen und den Planeten.

In „Das Gift alter Fackeln“ sprecht ihr Pegidioten, AfD-ler und „besorgte Bürger“ an, nehme ich mal an. Wie ist Eure Meinung: Lieber solche Leute  total blockieren , oder mir den gemäßigten doch eventuell den Dialog noch suchen, eventuell kann man den einen oder anderen wieder aus diesem wirren Kreis herausholen...
Aber generell finde ich halt so beschämend, dass viele Leute nicht realisieren, dass die Flüchtlinge zum großen Teil auch wegen unseren Verhalten kommen, wenn die Industrienationen nach wie vor manche Länder gnadenlos ausbeuten oder eigene Produkte so subventionieren, dass die Menschen in anderen Ländern mit diesen Dumpingpreisen gar nicht mithalten können....oder, wenn Deutschland Waffen als dritt- oder viertgrösster Waffenexporteur in alle Welt versendet, wo die am Ende landen, weiß sowieso niemand....Ich sage ganz ehrlich, ich teile nicht mal die Auffasung vieler Politiker des eher linken Spektrums, dass die Flüchtlinge in dieser grossen Anzahl unseren „Fachkräftemangel“ (gibt es den überhaupt ? - es gibt auch interessante Dokus und Artikel die diesen als Märchen der  Wirtschaftsverbände entlarven....) beheben. Ich denke einfach, es ist unsere moralische Pflicht, diesen Mensch zu helfen, und dies lässt sich nicht an ökonomische Prinzipien abbilden. Wobei es natürlich generell besser gewesen wäre, man hätte die Flüchtlinge in Europa besser verteilt, dann hätte Ihnen bestimmt besser geholfen werden können, alleine schon, weil dann andere Kapazitäten orhanden gewesen wären. Dann hätten auch die Pegidioten nicht so eine Aufwind bekommen, andererseits sollte man Entscheidungen natürlich nicht von solchen Idioten abhängig machen...


Micha: Ganz ehrlich, da weiß ich jetzt nicht, was ich dem noch hinzufügen soll. Du hast da ja schon gut ausgeholt. Ich bin da sehr nahe bei dir!
Schwierig ist die Frage, ob man mit AfD'lern etc. reden sollte, oder nicht. Viel zu schnell blockt man ab, versucht sie zu diffamieren und auszublenden. Aber ich denke, Blockieren ist der falsche Weg, auch wenn man das Gift, was die rechts-konservativen Meinungsmacher verspritzen, am liebsten aus der Gesellschaft raushalten würde. Mit Sandsäcken des Anstandes gegen Neid, Missgunst und Fremdenfeindlichkeit. Tja, leider funktioniert das nicht. Das Gift sickert durch. Ob wir das wollen oder nicht. Es ist so weit durchgesickert, dass die AfD enorme Erfolge verzeichnet und deren Politiker (oder auch die der CSU) Sachen von sich geben, die wir im 21. Jahrhundert eigentlich für unmöglich gehalten hätten, ohne dass es einen großen Aufschrei gibt. Stattdessen findet es breite Zustimmung. Das Gift tut gerade seine Arbeit...
Das Gift alter Fackeln lodert wieder, ob wir es blockieren oder nicht, und wir müssen dafür sorgen, dass diese Fackeln nicht das anzünden, was unsere Eltern an weltoffener Gesellschaft nach dem Krieg aufgebaut haben. Wir müssen das Gift neutralisieren, wir müssen geeignete Gegengifte finden. Und übrigens ist das kein Phänomen, was sich auf die AfD konzentriert. Pegida war zunächst völlig separat davon zu sehen. Europaweit haben wir eine Welle des Rechtsrucks. Ungarn, Frankreich, Österreich,...
Kurze Antwort: Im demokratischen Diskurs mit Rechtspopulisten bleiben, sie nicht eine Märtyrer-Rolle einnehmen lassen, ihre Methoden transparent machen, für Aufklärung sorgen und dabei den Faschisten keinen Zoll weit nachgeben – das sollten wir tun. Dadurch können wir unsere Werte einer offenen, vielfältigen und friedlichen Gesellschaft verteidigen.

Wie beurteilt ihr über den Vegan-Trend ? Mittlerweile sind an grossen Bahnhofsbuchhandlungen unzählige Zeitschriften erhältlich, die sich mit Veganismus und Vegetarismus beschäftigen. Es gibt da auch Zeitschriften, da werden auf Modeseiten Klamotten vorgesellt, z.B. die „vegane Bluse“ für 290 Euro . Da habe ich of den Eindruck, da geht es nur darum, einen Trend zu folgen, alles ist nur ein hipper Lifestyle, auch um sich abzugrenzen, um die politische Dimension geht es da oft gar nicht mehr, höchstens noch um gesundheitliche Aspekte. Andererseits könnte man ja sagen, wenn jemand kein Fleisch mehr konsumiert ist da ja positiv, aus welchen Gründen er dies tut, könnte doch egal sein...Was denkt ihr darüber ?

Micha: Vegan ist gewissermaßen ein Label, das von unterschiedlichen Leuten ganz unterschiedlich verstanden wird. Zum Glück wird da gerade per Gesetz Begriffsklarheit geschaffen, aber das hilft nicht gegen das „Problem“, das du ansprichst: Die einen nutzen es im negativen Kontext und müssen den Begriff nur lesen, um automatisch Abwehrreaktionen zu liefern und wahlweise in den Angriffsmodus zu starten. Viele verbinden damit noch völlig anachronistische Klischees vom körnerfressenden, blassen Bubi in Birkenstock und seiner kränklichen Freundin mit Blutarmut.
Andere nutzen es, um damit Kohle zu machen, da sie checken, dass der Markt mittlerweile kaufkräftige Kunden aufbieten kann. Als ich vor knapp 11 Jahren anfing, vegan zu leben, gab es 2-3 Milch-Alternativen und ebenso wenige Alternativen zu Wurst und Fleisch. Rezepte gab es im Internet und wenn du gesagt hast, dass du nun vegan lebst, hat dich erst keiner verstanden und dann warst du der Spinner; heute bist du „in“ und „trendy“ oder halt ein „Mitläufer“, wenn man die Kehrmeinung nimmt... Dass es heute anders ist, finde ich gut. Dass damit Geld gemacht wird, ist nur natürlich. Wenn ich mich freue, dass auf meinem Mineralwasser demnächst draufsteht, dass es vegan sei und ich es dann für 2,99 die Flasche kaufe, bin ich selbst schuld. Die Händler nutzen den Begriff nun als Verkaufsargument und melken den Verbraucher, solange er sich melken lässt. Dass u.a. das „Vegan-Magazin“ sehr auf Mode und Style setzt, soll evtl. den o.g. anachronistischen Vorurteilen entgegenwirken.
Mir ging es nie wirklich um gesundheitliche Aspekte, da vegan zu leben für mich nicht nur die Ernährung betrifft, wie ich oben schon gesagt habe... Allerdings habe ich durchaus gesundheitlich profitiert und es ist ein legitimer Grund, deswegen seine Ernährung umzustellen; ebenso wenn jemand es wegen der Umwelt tut oder wegen unserer Mitmenschen, z.B. wegen jenen in den Erzeugerländern, die für das ganze Viehfutter-Soja (denn dafür geht der Großteil der Weltproduktion von Soja drauf) Monokulturen anlegen und ihre Böden so auspowern, dass sie selbst hungern müssen.
Prinzipiell ist es super, wenn sich mehr und mehr Menschen für eine tierleidfreie Ernährung bzw. eine solche Lebensführung entscheiden. Keine Frage! Und jeder erhält meine volle Unterstützung, wenn er es auch nur mal versuchen will.
Ich denke allerdings, dass nur die ethischen und moralischen Beweggründe wirklich nachhaltig sind. Denn wenn du einmal die Augen aufgemacht hast und die Scheiße gesehen hast, die hinter den Kulissen abläuft, dann kannst du nicht mehr wegsehen, ohne dich permanent selbst zu betrügen. Wenn du aber nur aus egoistischen Gründen eine vegane Ernährung bevorzugst, kannst du bequem weiter die Augen geschlossen halten und es völlig okay finden, dass deine Schuhe mal die Haut eines Wesens waren, das auch einfach nur leben wollte. Dann kannst du auch deine Veggie-Wurst-Alternative bei Wiesenhof und Rügenwalder kaufen und Salat bei McDonalds essen.
Mein Weg ist das nicht. Ich will mich nicht Tag für Tag weiter verarschen, nur um an der unsichtbaren Ideologie, Karnismus, die uns von Kindesbeinen an per Sozialisation und Erziehung eingebläut wird, festzuhalten.
Zusammengefasst: Zweischneidiges Schwert, dieser Trend. Wenn es nachhaltig dazu führt, dass die Welt eine ethischere wird, ist es super. Aber so 100%ig kann ich das aus o.g. Gründen nicht glauben...

Als Metalband im weiteren Sinne (habe auch gesehen, dass zumindest einer von euch Fan ist, das er ein Motörhead-Shirt trägt ) würde mich interessieren, was ihr über Lemmys Tod denkt. Lemmy war bestimmt 'ne coole Sau, andererseits finde ich, dass bei ihm sowohl zu Lebzeiten als auch postmortem manchmal sein selbstzerstörerischer Lebenstil  glorifiziert wird; ich stelle einfach mal die These in den Raum, dass er vielleicht doch nicht so ein glücklicher Mensch war, denn letztendlich ist er zumindest vom Alkohol ja nie losgekommen...

Holger: Da ich der Träger des Motörhead-Shirts bin, werde ich mich auch dazu äußern. Generell gesehen ist der Tod oder der Verlust eines geliebten Menschen eine beschissene Sache. Lemmys Tod kam zwar doch etwas plötzlich, aber nicht wirklich unvorhersehbar. Er hat halt sein Leben gelebt, wie er es wollte – das ist die Freiheit des Rock`n`Roll! Sein „selbstzerstörerischer Lebenstil“, wie Du es nennst, war für ihn normal. Mag sein, dass sein Konsum von einigen glorifiziert wird, was aber Bullshit ist. Das kann niemand nacheifern. Er hat ja auch niemanden geraten, so zu leben. Jedoch ist es nach wie vor ein medizinisches Phänomen, sich täglich 2-3 Liter Bourbon reinzuschrauben und abends noch 'ne Show zu zocken.
Er hat die  Geburtsstunde des R´n`R miterlebt, war Roadie für Hendrix, spielte bei Hawkwind und war mit Motörhead wegweisend für den Heavy Metal, bzw. Thrash Metal. Der Mann war äußerst bodenständig und hatte viel zu erzählen – nicht nur über Musik -  und das machte ihn aus, nicht seine Sauferei.
Ich habe in einem Interview mit seinem Manager Singerman gelesen, dass Lemmy wohl auf den Tod von Philthy Animal Taylor, der knapp einen Monat vor ihm verstorben ist, nicht klar gekommen ist. Aber dass er generell ein vielleicht doch nicht so ein glücklicher Mensch war, weiß ich nicht und kann es mir nicht vorstellen, denn er war Rock`n`Roll!

Micha: Ich habe mich nie viel mit Lemmy oder Motörhead beschäftigt, weshalb ich da nicht viel zu sagen kann. Was ich sagen kann, ist erstens, dass er und Motörhead essentiell wichtig für Rock/Metal/Punk waren, wie Holger schon angedeutet hat, und dass unsere Szene wohl kaum das wäre, was sie ist, wären Motörhead nicht eine der prägendsten Bands mit eben diesem ganz besonderen und auch recht besonnenen Typen namens Lemmy gewesen. Zweitens kann ich sagen, dass diese Fuck off – Attitüde zum Rock und Metal mit dazugehört, auch wenn es Leute wie mich gibt, die sich dem seit einigen Jahren entzogen haben. Aber das ist eine persönliche Entscheidung, denke ich. Wichtig für junge Hörer und Fans wäre es, wenn sie neben Lemmy und Co. auch andere Identifikationsfiguren hätten, die eine andere Option aufzeigen, wie man sein Leben leben kann. Zwar kam Lemmy nicht vom Alk los, aber das war eine individuelle Sache. Lies mal jüngere Interviews oder schau dir Dokus mit/über ihn an. Da ist viel Positives und von Grund auf Lebensbejahendes zu finden. Dass Lemmy also sehr facettenreich und nicht auf seine Sauferei zu reduzieren ist, sehe ich also genauso wie Holger.


Erzählt mal was über Paderborn, was kann man da (szenetechnisch und generell) so machen, gefällt es euch dort ?

Micha: Paderborn ist tatsächlich eine gute Stadt, vor allem was den kulturellen Bereich angeht, auch wenn die Stadt bzw. die Regierenden komischerweise ein Händchen dafür haben, es Kulturschaffenden immer schwerer zu machen...
Dennoch haben wir hier auch eine gute Musik-Szene, in der alles sehr freundschaftlich zugeht und wo gegenseitiger Support gelebt wird. Relativ regelmäßig finden hier Metal/Hardcore-Shows statt, wenngleich das alles auch mal mehr war. Ein ganz besonderes Highlight ist für Genre-Fans das „Thumbs Up – Fest“, welches meist um Halloween herum stattfindet und von Holger mitorgansisiert wird. Ich würde fast so weit gehen, es als Paderborner Pendant zum Alerta Antifascista Deathfest zu bezeichnen. Dort spielten letztes Jahr u.a. Kokomo, Deathrite, Phantom Winter, Thurm, Keitzer u.a. Wenn jemand auf harte Musik ohne Scheuklappen steht, sollte er die Reise wagen! Außerdem ist eigentlich immer ein Caterer vor Ort, der die Besucher auch mit veganem Futter versorgt, damit man die über zehn Bands auf wechselnden Bühnen auch bis zum bitteren Ende miterleben kann. Und dann kostet das Ding noch nicht mal 20 Euro... Fett!
Neben der Musik-Szene haben wir noch eine recht große Poetry Slam-Szene, die immer weiter wächst. Naja, und ansonsten, da muss man ehrlich sein, hat Paderborn seine drei oder vier Kneipen, wo man mal hingehen kann, aber nicht muss. Alternativ kann man hier wohl auch sehr gut beten. Eine der katholischsten und politisch schwärzesten Städte in NRW, würde ich sagen. Trotzdem ist die Lebensqualität, das muss man einfach festhalten, sehr hoch. Man muss ja nicht bei allem mitmachen. Und wenn AfD-Kundgebungen auch hier massiv auf Widerstand treffen, kann die Stadt so verkehrt gar nicht sein...


Habt ihr die jeweils neuen Alben von Discharge und Extreme Noise Terror gehört und falls ja,wie findet ihr sie ?

Holger: Aber selbstverständlich! Du glaubst doch wohl nicht in Ernst, dass diese Scheiben an mir vorbeigehen, haha ! Beide Bands haben mit ihren aktuellen Outputs sehr starkes Material veröffentlicht. Die E.N.T. ist gröber ausgefallen, als erwartet. Musikalisch ist es die gewohnte Materialschlacht und voll auf`s Maul, Dean Jones kotzt sich dermaßen aus… ein Traum!
Auf die neue Discharge war ich ja sehr gespannt! Aber ich muss sagen, da wurde alles richtig gemacht. Auch der neue Sänger ist top. Schön zu sehen, dass die Band, die mit „Why“ und „Hear Nothing, See Nothing, Say Nothing“ wegweisend für ein komplettes Genre war, wieder voll erstarkt am Start ist!
Der nächste Highlight wird die neue von Nails sein. Was davon bisher zu hören war, lässt das Herz höher schlagen, haha!


„Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ 

 

Zum Abschluss: Manchmal denke ich, man müsste viel intensiver leben. Wir haben nur eine bestimme Zeit auf diesem Planeten, und am Ende zählt doch nicht Karriere und Geld etc. sondern dass man sein Leben gelebt hat, ohne sich zu verbiegen und auch für sein Ideale eingestanden ist.  Ab und zu kommen mir Gedanken, man müsste sich viel konsequenter für das Recht der Tiere, frei von Qual und Schmerz zu leben, einsetzen.
Eure Gedanken dazu ?

Micha: Ja, klingt komisch, aber je älter ich werde, desto bewusster wird mir das, haha. Sind dir diese Gedanken erst mit zunehmendem Alter gekommen? Bei mir ist es so.
Geld macht nicht glücklich, Karriere als solche auch nicht, aber kein Geld zu haben und ständig irgendwie zu schauen, wie du deine Familie durchbringen kannst, ist genauso mies. Der Mittelweg scheint es mal wieder zu sein... Dennoch sollten wir gucken, dass wir die Dinge, die uns wichtig sind (Familie, Freunde, Hobbies, Ideale) dafür nicht aus den Augen verlieren, da stimme ich dir völlig zu. Gerade jetzt, wo ich das schreibe, denke ich, dass ich viel mehr Zeit mit meiner Familie verbringen sollte, anstatt bis abends am Schreibtisch zu sitzen und zu arbeiten...
Heutzutage fällt es mir viel leichter, zu meinen Überzeugungen und Idealen zu stehen und diese auch bei orkanartigem Gegenwind zu verteidigen, auch wenn ich das schon damals musste, als ich fast den Kontakt zu engen Freunden verloren habe, weil ich angefangen habe, vegan zu leben. Soviel zum Thema „Du machst das ja nur, um trendy zu sein!“ - Von wegen trendy...
Naja, wie gesagt, heute fällt mir das leichter. Zum einen weil mir die Meinung anderer Leute immer gleichgültiger wird und zum anderen, weil ich von moralisch-ethischer Seite schlicht weiß, dass ich richtig stehe. Ich beschäftige mich seit über 10 Jahren privat und auch teilweise beruflich mit der Thematik und angrenzenden Themen, sodass mir da so leicht keiner einen Bären aufbinden kann...

Und was deine letzte Äußerung anbetrifft, so kann ich diese nachvollziehen. Zwei Gedanken von mir dazu:
Im Talmud steht: „Wer auch immer ein einziges Leben rettet, der ist, als ob er die ganze Welt gerettet hätte”. Ich bin nicht sonderlich religiös, auch wenn ich finde, dass die Religionen eine starke Bildsprache voller großartiger starker Symbole und eine tiefe, unsere Kultur prägende Mystik haben – deshalb verwende ich sie und Anspielungen auch gerne in meinen Texten. Aber auch wenn ich nicht dem jüdischen Glauben anhänge, so steckt in diesem Spruch viel Wahrheit. Dort steht „Leben“, nicht „Mensch“. Auch wenn es die Verfasser anders gemeint haben mögen, so schließe ich die Tiere dort mit ein.
Unsere Welt besteht aus Leben. Alles ist irgendwie miteinander verknüpft - denk nur mal an die Bienen und Insekten und ihre Aufgabe des Bestäubens... oder an die Meere, ihre Bewohner und ihre Aufgabe bzgl. des Klimas. Aber auch die, die keine Aufgabe haben, sind Teil des Ganzen, sind Leben, wollen leben. ( und ja, Pflanzen leben auch. Es kann, sofern wir überleben wollen, nur darum gehen, den Weg des geringsten Schadens zu gehen )
Unsere Welt ist Leben. Rettest du ein Leben, rettest du einen Teil der Welt und damit die ganze Welt...
Diese Rettung kann heutzutage passiv und aktiv gelebt werden.

Passiv, indem ich mich verweigere, am Karnismus weiter festzuhalten, nur weil es bequeme Tradition und Konvention ist, und anfange möglichst viel Leid zu verhindern, nenne es meinetwegen „vegan zu leben“. Aber den Begriff braucht man eigentlich nicht zu bemühen, denn für mich beinhaltet das auch, dass ich meinen Weg damit nicht als beendet sehe, auf tierliche Produkte zu verzichten. Weiter oben habe ich ja schon gesagt, dass vegan zu leben für mich ein immer weiterlaufender Prozess der ethischen Verbesserung ist. Und damit gehe ich schon über die gängige Begriffsdefinition hinaus...

Aktiv, indem ich wirklich direkt Leben rette. Das fängt bereits da an, wenn ich die Mücke in meinem Schlafzimmer nicht erschlage. Ich will sie nicht bei mir haben, ich will nicht dass sie mich sticht. Aber dass sie es versucht, das ist ihr gutes Recht. Vielleicht hat sie viel mehr Recht gerade hier zu sein als ich?! Wer entscheidet darüber, ob sie hier sein darf? Ich? Wer hat mir das Recht gegeben? Weil ich stärker bin? ...Wohin die Legitimation von Recht durch Macht und Stärker führt, wissen wir...

Weiter: Jedes Lebewesen will leben. Der Sinnspruch, der mich mehr als alles andere begleitet, ist der bekannte Satz von Albert Schweitzer: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will.“ Ob bewusst oder unbewusst, spielt dabei keine Rolle. Jedes Leben strebt danach, aufrechterhalten zu werden. Das ist, sehen wir jetzt vom Phänomen Freitod ab, eine geltende biologische Wahrheit.
Kann es also moralisch und ethisch falsch sein, wenn verhindert wird, dass Lebewesen getötet werden, nachdem sie ohne irgendein Verschulden eingesperrt worden sind um ihr Leben inmitten von Enge, Draht und Gittern zu verbringen? Kann es moralisch und ethisch falsch sein, sie zu befreien, damit sie in Freiheit leben können?

Allerdings müssen wir auch das bedenken: Wenn wir dem Henker die Axt wegnehmen, dauert es zwar einige Zeit, bis er eine neue hat, aber er bekommt sie und es wird weitere Opfer geben, die ihrem traurigen Schicksal dennoch nicht entfliehen können. So sieht es bisher aus und es dauert wohl auch noch, bis sich daran etwas ändert. Solange Menschen damit Geld und Macht erlangen können, wird sich letztlich nicht viel ändern. Aber ich habe die Hoffnung, dass es sich ändern kann!

Also sollten wir v.a. an der Wurzel  des Problems ansetzen. Sinnvoll und nachhaltiger ist es meiner Meinung nach also, an einer langfristigen Lösung zu arbeiten.

Erstens durch Aufklärung - in den Köpfen und Herzen der Menschen. Damit sie die Möglichkeit haben, den Horror, die Ausbeutung und das Leid zu sehen, das tagtäglich wegen und für uns stattfindet.

Zweitens durch Befähigung. Denn was nützt es mir, wenn ich um den Schrecken und das Unrecht weiß, aber keine finanziellen Mittel habe, mir entsprechende Produkte, seien sie nun tierleidfrei und/oder fair-trade, zu kaufen. Befähigung ist Sache der Politik. Dazu habe ich weiter oben schon etwas gesagt. 
Aufklärung kann jeder von uns aber täglich betreiben, erleben und andere erleben lassen. Jeder sollte für sich im Stillen prüfen, was er in seinem Leben anders machen kann, welche Möglichkeiten er oder sie hat. Und wenn wir ganz, ganz ehrlich zu uns sind, dann wird den meisten auffallen, dass sie die Möglichkeit haben, aktiv oder passiv die Welt zu einem besseren Ort für alle Erdlinge zu machen, ob im Kleinen oder Großen. Jeder prüfe ehrlich für sich selbst, wo er ansetzen kann. Der einzige, der hier betrogen werden kann, sind vor allem wir selbst. Denn wenn es mit uns zu Ende geht, müssen wir vor allem vor uns selbst gerade stehen können.
Und wenn wir die Möglichkeit haben, etwas zu ändern, dann ist es nur moralisch, dass wir diese Optionen auch umsetzen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Zusammen können wir das schaffen, das ist meine Hoffnung.
Die Alternative ist, dass wir die Augen ganz fest zupressen, dass wir uns Tag für Tag weiter betäuben und ablenken, dass wir verdrängen und ignorieren, dass wir uns selbst betrügen und uns selbst verschuldet unmündig halten und blind überkommenen Traditionen nacheifern...
In unserem Inneren wissen wir aber, dass das nicht der richtige Weg sein kann. Deshalb:
Habt den Mut, macht die Augen auf!

https://www.facebook.com/schlachtung
https://schlachtung.bandcamp.com
https://www.instagram.com/schlachtung_official
https://yakuzzitapes.bandcamp.com/album/steve-austin-discography-tape

Samstag, 11. Juni 2016

Hier nun ein Interview mit Seb, dem Sänger der geilen MIND TRAP.
Seb war früher auch bei HIGHSCORE und danach bei SHORT FUSE, beides auch sehr gute Bands, zweitere haben vor kurzem noch einen Abschieds-Release veröffentlicht, ein paar letzte Gigs soll es auch noch geben, aber dazu mehr im Interview. Seb entpuppte sich als netter und reflektierter Gesprächspartner, dessen Ansichten ich grösstenteils teile. Lustig ist, dass wir vor etlichen Jahren mit unserer lokalen, längst nicht mehr existenten Konzertgruppe mal angedacht hatten, SHORT FUSE  zu veranstalten, was dann aber doch wieder verworfen wurde. So schliesst sich der Kreis. Aber lest selbst....


Hallo Seb, erzähl uns doch mehr über MIND TRAP-wann gründete sich die Band, aus welchen Beweggründen erfolgte die Gründung ? Wie sieht es mit Konzerten in nächster Zeit aus und wie waren die vergangenen ?

Na ja, die Idee für die Band ist in einer schlaflosen Nacht entstanden, in der auch die meisten der 'kitschigen' Demo-Texte entstanden. Es musste endlich mal eine Vegan Straight Edge - Band her ,haha !
Das war wohl so 2011/12 (?), und zu dem Zeitpunkt habe ich schon ein paar Jahre in Berlin gelebt und meine alte Band, Short Fuse, die eher in der Münsteraner Gegend angesiedelt war, lag schon länger auf Eis.
Es war von Anfang an klar, dass Wolfi Schlagzeug spielen sollte, und Jobst (der mittlerweile die Band wieder verlassen hat) auch dabei sein sollte. Problem war jemanden zu finden, der/die einen bestimmten Musikgeschmack und HC-Verständnis teilt und dann auch noch den Songschreiber - Part übernehmen könnte.

Victor, den ich über ein paar gemeinsame Freunde in Barcelona kennengelernt habe, war dann einfach das perfekte Match. Problem ist nur, dass er, und jetzt auch unser neue Bassist, in Moskau zuhause sind. Dadurch ist die Band recht 'langsam' und auch das live zusammenkommen um Shows zu spielen ist verdammt umständlich. 2013 ging's dann aber doch mit dem Demo los und wir haben es tatsächlich geschafft bis jetzt ein paar coole Shows zu spielen und sogar zu touren.


Da ich ja gerade Dich als Interviewpartner habe- warum lösten sich damals HIGHSCORE auf, was führte dann zu SHORT FUSE und dann wiederum zu MIND TRAP ? Welche guten und schlechten Erfahrungen hast Du mit beiden Bands gemacht, wie denkst Du an diese Zeiten zurück ?

Oh man, das könnten Romane werden, haha ! Mit zwei von den HIGHSCORE -Leuten (Matthias und Volker) bin ich schon zur Schule gegangen. Wir haben schon schon in den 80ern zusammen abgehangen und sind auch mehr oder weniger als so 'ne art 'peer group' gemeinsam zu Punk/Hc gekommen. Es gab von Anfang an schon irgendwelche Bands, zuerst wurden irgendwelche Sex Pistols-Sachen nachgespielt, später die Lieblings-NYC-HC Songs gecovert. Irgendwie ist da aber nie etwas draus geworden, bis sich dann fast ein Jahrzehnt später alle wieder in Münster getroffen haben und 1997 HIGHSCORE gegründet wurde. Jobst kannten wir schon von Shows, seinen Bands und seiner aktiven Zeit im Juzi-Göttingen. Der hat sich uns quasi aufgedrängt, daher die zweite Gitarre bei Higscore, haha. Den Bassisten Matze kannten wir nur vom Sehen, unter anderen von Konzerten, aber hauptsächlich weil der uns immer wieder im SSD-Sweater oder Infest -Shirt entgegengeskatet kam und so war klar, dass der Typ in die Band musste, der andere Matthias hat ihn dann rekrutiert. Ich glaube, dass wir ihm eher den ruppigere Fastcore-Anteil der Band zu verdanken haben. Der Rest stand damals eher auf Gorilla Buisits und Uniform Choice.

Highscore gab's dann auch sieben Jahre. Wir haben in den ersten vier Jahren gefühlt jedes Wochenende gespielt und meine Urlaube gingen komplett für's Touren drauf. Die Leute waren zum grössten Teil schon vor der Band meine Freunde und sind es immer noch. Musikalisch irgendwann ein Kompromiss, weil ich persönlich keinen Plan vom Songwriting habe und unsere Geschmäcker sich irgendwann etwas auseinander entwickelt haben. Irgendwann war dann die Luft endgültig raus und so gegen 2003 ist damals die Idee zu Short Fuse entstanden. Die Idee war, etwas roheren, dreckigen Hc-Punk ala frühe DC Sachen wie Youth Brigade und Iron Cross zu spielen. Es ging los als Zwei-Mann - Projekt mit Robin (Surf Nazis Must Die, Now Denial, Dean Dirg...), der drei Song für's erste Demo komplett selbst eingespielt hat. Ich hab dann drüber gesungen und damit sind wir dann auf die Suche nach Bandmitgliedern gegangen. 2004 lösten sich HIGHSCORE auf und SHORT FUSE hatte ein erstes Line-up (ohne Robin ) mit dem wir ein richtiges Demo aufgenommen haben und auch live spielen konnten. Nachdem wir 2007 in den USA getourt sind, gab es einen ersten Line-up Wechsel und Matthias hat dann den Gitarren-Part übernomme. Mit dem Typen im Boot wurde die Band vom Charakter her endlich zu dem was ich mir ursprünglich vorgestellt habe. Das lief dann so 'ne Weile, auch wenn die Band kaum jemand interessiert hatte. Als Acki dann aufhörte und Tim die 'Burnout' LP mit einspielte, hatten wir auch einen Tonträger draussen, mit dem wir absolut zufrieden waren. Wie bereits geschrieben, habe ich kurz darauf Münster den Rücken gekehrt und es ging nach Berlin. Wir haben uns vor kurzem aber doch noch aufgerauft um ein paar 'neue' Songs aufzunehmen, werden aber im Juli mit drei letzten Shows das endgültige Ende von SHORT FUSE besiegeln.

Da die Besetzung von MIND TRAP ja recht international ist-lebt ihr alle in Berlin, oder seid ihr in weit verstreut ? Wenn ja, wie probt ihr dann ? Und wie habt ihr Euch alle gefunden, kanntet ihr Euch schon vorher ?

Ich lebe in  Berlin. Wolfi in Kiel (früher in Dresden), die anderen beiden, Victor und Sasha leben in Moskau. Wir proben an sich nur vor den Konzerten, wobei wir ea auch eher selten schaffen zuzusagen, weil die Konstellation es einfach nicht regelmäßiger zulässt. Die Aufnahmen entstehen dann auch an solchen Wochenenden, meistens auch mit Konzerten verbunden. Die 'Dresden Sessions' haben wir z.B. letzten Sommer beim Proben vor dem Fluff Fest in Dresden aufgenommen. Es ist natürlich hilfreich, wenn man so einen eingefleischten Sound-Tüftler wie Wolfi in der Band hat, der sowas mit einem Notebook und zwei Hand-Aufnahmegeräten möglich macht.
Wolfi und ich kenne ich bestimmt schon seit Jahren. Bereits zu HIGHSCORE - Zeiten, aber auch mit SHORT FUSE, haben wir mit seinen Bands (Tangled Lines, Vitamin X, The Fight...) die 'Bühne' geteilt, die 'Victor - Story' wurde ja schon erwähnt. Bevor ich ihn persönlich kannte war mir seine frühere Band Rearranged (React Records) ein Begriff. Jobst, der auch bei HIGHSCORE war, ist einfach ein alter Freund und es war unumgänglich, dass, wenn wir es endlich schaffen eine Vegan-Edge - Band zu erschaffen, er dabei sein musste. Nachdem er aber aus persönlichen Gründen aussteigen musste, wurde Sasha rein geholt. Den kannte ich schon von The Pack und Occupation (die wir auch auf unserem kleinen Label SFR-Hardcore released haben), er und Victor sind auch alte Buddies und es ist bei den Entfernungen schon ganz gut, wenn sich wenigstens zwei ab und an zusammentun können um am neuen Material zu feilen.


Du hast ja lange in Münster gelebt und jetzt in Berlin. Ich war in beiden Städten lange nicht mehr,
aber generell ist das doch ein riesiger Unterschied, so vom beschaulichen Münster nach Berlin, oder ? Wo lebst Du lieber, was sind die Vor- und Nachteile ?

Münster war quasi meine (erste) Wahlheimat und ich habe da auch 15 Jahre lang gelebt und gearbeitet. Ich habe es mir auch sehr schwer getan mich von Münster zu trennen. Es war eine Zeitlang auch eine Stadt, in der es eine sehr große, lebendige, kreative Hc/Punk - Szene gab. Es existierten etliche Bands, Zines und halt Green Hell Records, für dich ich in den ganzen Jahren gearbeitet habe, zudem wurden viele Konzerte veranstaltet.

Das alles ist irgendwann ganz schön eingeschlafen, Leute sind weggezogen oder aus der Szene 'verschwunden', aber hauptsächlich musste im Leben etwas Neues her. Nach einer eher kurzen Episode in den Staaten bin ich dann eher aus einer Kurzschluss-Entscheidung nach Berlin umgezogen und habe quasi ganz neu angefangen. Das war eine eine sehr gute Entscheidung. Vor allem ist es so, dass wenn man aus festgefahrenen Verhältnissen ins eher Ungewisse aufbricht und etwas neues auf die Beine bekommt, dies einfach einen unglaublichen Boost für das Ego, den Alltag und das Leben an sich mitbringt. Ich habe keine Sekunde bereut aus Münster weggezogen zu sein und vermisse es auch erstaunlicherweise  überhaupt nicht. Berlin hatte ich vorher überhaupt nicht auf dem Schirm,  ich war früher eher kein Fan der Stadt. Und klar, es gibt Momente da nervt die Masse an Menschen und alles was damit zusammenhängt. Aber an sich hängst du in deinem eher beschaulichen Kiez ab, hast aber gleichzeitig auch die kulturellen Vorteile einer Weltmetropole, wenn du sie dir denn ab und an geben möchtest.

Erzähle doch noch mal kurz was zum neuen SHORT FUSE-Release mit den unveröffentlichten und neuen Songs, habt ihr Euch nochmal getroffen um bewusst so ein Abschieds-Ding zu machen  ?

Ein bisschen habe ich ja schon dazu geschrieben. Ich hatte seit fünf Jahren Songs auf meinem Rechner, zu denen ich nie die Texte eingesungen habe. Wir haben zwar 2009 gemeint, dass wir ja noch ne Abschieds 7“ aufnehmen und ein paar Shows spielen wollen, aber das ist dann irgendwann eingeschlafen. Ich habe an sich gedacht (bzw. in meiner Faulheit gehofft, haha ) das Thema sei durch, aber dann kam Tim vor ein paar Monaten drauf zurück und mir fiel keine passende relevante Ausrede ein mich zu drücken, haha, und dann ging alles recht flott. Der Rest traf sich ein paar mal in Dortmund zum Proben, wir suchten ein paar von den alten Songs aus, die uns noch am meisten angesprochen haben und Matze hat 2-3 neue Songs geschrieben. Die Jungs haben das ganze dann in Holland aufgenommen. Ich habe währenddessen vor meinem Notebook Gesangsstrukturen und Texte erarbeitet und anschließend die Vocals mit meinem Buddy Matthias (mein Highscore - Schulfreund) hier in Berlin aufgenommen. Ähnlich wie bei MIND TRAP wurden die ganzen Songs bis nach den Aufnahmen nie zusammen geprobt. Der Scheiss war dann echt innerhalb von 2-3 Wochen fertig und wurde bereits als Kassette auf SFR-Hardcore veröffentlicht. Die Vinyl Version (Phobiact- und Spastic Fantastic Records) sollte auch die Tage eintrudeln.


Seid ihr eigentlich schon öfters mit anderen Bands namens MIND TRAP verwechselt worden ? Es gibt da wohl so ne schreckliche Osnabrücker „Indie-Rock“ Band als auch eine Wiener Hc-Band mit gleichem Namen, aber bestimmt gibt es noch einige mehr...

Ach, das Thema ist einfach alt. Ich meine zu behaupten, dass du willkürlich jeden Bandnamen nehmen kannst und bei jedem 2.-3. Doppelungen findest... Short Fuse war ein 'Konzept', den Namen gab's vor der Band. Ähnlich war es mit MIND TRAP, das geht auf ein bestimmtes Straight Edge - Verständnis zurück. Sagt Dir die „Some Ideas Are Poisonous“ Ebullition Records - Compilation etwas?  Auch unabhängig von den darauf enthaltenen Bands ist das Konzept etwas ,wie auch ich persönlich zuerst mit Straight Edge konfrontiert wurde, eher in so einer Art  einer selbst gewählten Isolation. Ich bin zwar mit Punks aufgewachsen aber ich kannte jahrelang kaum jemand, schon gar nicht aus meinem nächsten Umfeld, der oder die Straight Edge gewesen wäre. Aber auch im gesellschaftlichen Kontext drängt man sich mit einer bewussten Entscheidung, vor allem gesellschaftlich etablierte und anerkannte Drogen abzulehnen, eher ins Abseits. Für mich war gerade dieser Zustand die Quintessenz des Punk-Seins. Dass es diese Wiener Band gab (gibt?) fand ich noch vor unserem Demo - Release heraus, aber wie gesagt  stand zu diesem Zeitpunkt das 'Konzept' schon und es führte in dem Zusammenhang kein weg mehr an dem Namen "MIND TRAP" vorbei. Es war mir/uns dann auch absolut scheissegal dass es eine namensgleiche Hc-Kapelle gab, diese andere Band habe ich nicht auf dem Schirm und sie interessiert mich auch nicht.

Du bist ja auch schon ein älteres Semester, also kennst Du ja  auch die früheren pre-Internet Zeiten. Was fandest du früher in der Szene besser, was schlechter ? Also ich muss ganz klar sagen, dass ich, auch wenn viele von den „guten,alten Zeiten“ (wahrscheinlich in Verklärung und als Abgrenzung zu den Jüngeren ) sprechen, die heutige Zeit bevorzuge. Man kann sich heute alles im Netz anhören, früher musst man Tonträger oft „blind“ kaufen und konnte sich nur auf ein gutes Review verlassen. Früher musst man Briefe hin-und herschicken , heute schreibt man eine E-mail. Klar, es war früher „anstrengender“ und wahrscheinlich auch spannender, neuen Bands zu entdecken , aber generell finde ich die neuen Kommunikationswege schon sehr angenehm.
Wie siehst Du das ?

Das Internet ist einfach ein Medium, das vieles leichter macht.
Das einzige Manko, dies ist nur eine Hypothese von mir, ist, dass man Dinge, die einem eher leicht in den Schoß fallen und dann auch noch in dieser Masse, vielleicht nicht so zu schätzen weiß...alles ist / wird recht schnell 'ausgeschlachtet' und natürlich auch sofort von den Mainstream-Medien aufgegriffen und vermarktet. Ich glaube sowas sind Gründe, warum es jüngere Kids heutzutage tatsächlich eher schwer haben etwas 'für sich' zu entdecken, in etwas Wurzeln zu schlagen. Das'Besondere, Eigene, Subversive' war vor dem Internet eher spürbar, greifbar.
Dass man Sachen irgendwo hoch laden kann und es für alle kostenfrei zugänglich ist, ist für mich sowas wie Realisierung des Non-Profit-DIY- Gedanken.
Es gab Zeiten da wurden CDs 'verteufelt'. Ich finde es kommt darauf an, wie man ein bestimmtes Medium (für sich) nutzt, wieviel man dem 'Mainstream', der jetzt natürlich näher gerückt ist und auch einiges kontrolliert, preis gibt – bzw. gar mit einbezieht – wo allerdings in meinem Verständnis Hardcore/Punk aufhört.


Was denkst du über Punk/Hc als Gegenkultur ? Wird dieses „Versprechen“ überhaupt, wenn auch nur teilweise, eingelöst ? Bei manchen Sachen, Projekten, Bands, denke dies schon, bei vielen aber auch gar nicht. Und auf einigen Konzerten habe ich mich auch schon recht unwohl gefühlt, Stichwort Selbstdarstellung, aber eher bei Konzertbesuchern..

Ich glaube, dass Hardcore einfach (auch schon immer) auf so vielen unterschiedlichen Ebenen existiert hat... Klar, da gibt es z.B. Dinge (Platten, T-Shirts), die irgendwie gehandelt werden, was an sich mit den Ideen/Idealen 'dahinter' nichts zu tun hat, denen eventuell sogar widersprechen. Irgendwie ist aber gerade eine bestimmte Ästhetik (Style?) auch ein Teil unserer Identifikation. Widersprüche sind in meinen Augen aber, und das gilt für jegliche Lebenslagen, irgendwo 'menschlich'. Diese auszuräumen, gerade auch im sich gern als 'sauber' definierenden HC/Punk Kosmos, ist utopisch. Verstehe mich nicht falsch, ich denke, dass es wichtig ist Dinge anzugehen, aber ich habe oft das Gefühl, dass der Weg leider allzu oft auf über eine äußerst unproduktive 'wie pisse ich dem anderen am besten ans Bein'-Ebene gegangen wird.
'Unsere Szene' ist natürlich allen zugänglich, und da treffen jegliche Charaktere aufeinander. Da gibt’s natürlich auch die Selbstdarsteller und andere Trottel die einem das ganze temporär vermiesen können. Das Versprechen, von dem du da sprichst, bleibt dann eher an dir für dich und mir für mich hängen, es so gut, wie wir können, umzusetzen.

Seid ihr alle in der Band (Vegan) Straight Edge ? Fall ja, wie wichtig ist der Punkt nach wie vor ? Könnte jemand in MIND TRAP  als Bandmitglied einsteigen, der ab und zu mal ein Bier trinkt oder eine Zigarette raucht, wenn es sonst auf allen Ebenen harmonieren würde ?

Ja, sind wir. Dies ist für jeden einzelnen in der Band ein Lebenskonzept und daher auch als Ganzes wichtig. Ich bin seit 25 Jahren Vegan Straight Edge. Straight Edge ist eine persönliche Geschichte, aber im Jahr 2016 sollte man geschnallt haben, welch wichtiger Faktor das eigene Konsumverhalten für die Existenz Aller und die sozialen und politischen Verhältnisse ist in unserem Kosmos ist.
Zur letzten Frage: NEIN!

Willst Du noch was loswerden ? Die letzten Worte gehören Dir...

Coole Fragen. Danke dafür.
Ich hoffe dass das ganze nicht zu statisch und verwirrend rüber kommt. Bin nicht wirklich jemand der seine Gedanken, schon gar nicht auf Abruf, ordnen kann.
Vielen Dank für den Support. Hardcore ist einfach das beste wo gibt!!!

https://mindtrap1.bandcamp.com
https://sfr-hardcore.bandcamp.com
https://www.facebook.com/Short-Fuse-209271233698
https://hardwarerecords.bandcamp.com/album/short-fuse-burnout-12