Sonntag, 22. Mai 2016

Zur Premiere ein Interview mit TRIBÜNAL, die schon seit einigen Jahren ziemlich guten D-Beat Crust fabrizieren, das Ganze unter dem Motto "meat-free, god-free, drug-free." Dabei erweist sich der Protagonist S. als kluger, reflektierter Kopf, der einiges zu sagen hat. Aber lest am besten
selbst...


Hallo, erzähle uns doch mehr über TRIBÜNAL ! Wie kam es zur Gründung, bzw. was waren die auschlaggebenden Gründe ? War TRIBÜNAL von vornherein als Ein-Mann-Band geplant, oder war es nur aus der Notwendigkeit heraus geboren, weil Du eben keine anderen passenden Mitmusiker finden konntest?
 
Hi Gerald, erstmal vielen Dank für die Interviewanfrage. Die Geschichte zu TRIBÜNAL ist ziemlich banal. Ich lag mit Grippe zuhause und hörte mich durch stapelweise Crust und D-Beat-Alben. Nach zwei, drei Tagen ging es mir gesundheitlich wieder besser, aber mein Kopf war so voller musikalischer Ideen, dass ich an einem Nachmittag die „FTW“-EP schrieb und aufnahm. Kurz zuvor hatte ich mit Henning die erste Iron & Stone EP in meinem „Home Studio“ aufgenommen, sodass ich mit Equipment und Workflow ganz gut vertraut war. Das größte Problem war tatsächlich, den typischen D-Beat-Swing in die programmierten Drums zu bekommen, hahaha. Und das ich selber singen musste. Mittlerweile klappt beides ganz gut.

Die Ein-Mann-Band-Situation ist schon bewusst gewählt. Ich hatte einfach keine Lust, in irgendeiner Form Kompromisse einzugehen. Das gleiche gilt auch für mein PTRKLPPL-Material. Und allein bin ich in der Lage, sehr schnell zu arbeiten. Das ist wirklich komfortabel. Parallel zu TRIBÜNAL spiele ich aber auch noch in einer richtigen Band (Iron & Stone) und arbeite an Projekten mit anderen Musikern (Cerberus).

 

Wie verlief deine musikalische Sozialisation ? Und was hörst du heute so, bzw. was waren /sind deine Einflüsse für TRIBÜNAL ? Welche Alben haben Dich zuletzt begeistert, was sind Deine All-Time-Faves ? Hast Du schon das neue Discharge-Album gehört ? Und was denkst Du über die letzte Platte von Extreme Noise Terror ?

Richtig gefunkt hat es bei mir Anfang der 90er beim damaligen Death-Metal. Das ist auch die Musik, die ich immer noch über alles liebe. Völlig nostalgisch verklärt, rosarote Brille, das volle Programm. Meine ersten Alben damals waren Obituarys „Cause Of Death“, Napalm Deaths „Utopia Banished“ und Entombeds „Clandestine“. Allesamt absolute Meilensteine, die ich immer noch gerne höre. Und meine Liebe für den damaligen Stockholm-Sound wird man auch im neuen TRIBÜNAL Material wiederfinden.

Black Metal hat mich damals auch ziemlich fasziniert, zumal man ja im Gegensatz zu heute nur sehr schlecht an Infos über die Bands kam. Das hatte eine sehr intensive Atmosphäre, jede neue Platte, die man aufgetan hat, wurde genauestens seziert und analysiert. Mit der heutigen Allverfügbarkeit an Information ist diese mystische Aura natürlich verlorengegangen.

Punk und Hardcore waren zu Beginn für mich einfach weitere Facetten der „harten“ Musik, aber erst Mitte der 90er bin ich durch Earth Crisis, Path Of Resistance, Strife und den ganzen Victory-Records Rummel so richtig damit in Berührung gekommen. Lost & Found und Green Hell Preislisten „durcharbeiten“ usw. Was die „Ideologie“ angeht, war das sicherlich die prägendste Zeit. DIY, Vegetarismus/Veganismus, Straight Edge. Wieviel Punk in dem alten Death-Metal steckte, war mir damals nicht bewusst. Wenn ich heute die alten Schweden- oder Briten-Bands höre, ist es mir völlig schleierhaft, wie ich das überhören konnte.

TRIBÜNAL war zu Beginn als traditionelle D-Beat-Band geplant. Discharge Schablone, zwei Riffs pro Songs, ein Beat. Nach und nach schlichen sich aber immer mehr Death-Metal-Einflüsse ein und bei dem Material, an dem ich gerade sitze, ist der Death-Metal Anteil sehr dominant.

Ich habe weder die neue Extreme Noise Terror-Platte noch das neue Discharge - Album gehört. Meine Erwartungen sind aber auch minimal.

 
Straight Edge mit Crust zu mixen, ist ja eher ungewönlich, so viel Bands gibt es in dem Bereich ja nicht und viele Leute denken bei dem Begriff „Crust“ ja auch an dauerbreite saufende und kiffende Typen. Was denkst Du über diesen „Stilbruch“ ? 

Mir ist das eigentlich relativ egal. Wenn da irgendjemand wegen des „meat-free, god-free, drug-free“-Claims seine Toleranzgrenze erreicht, dann soll er sich halt verpissen. Ich habe meine Überzeugungen, die für mich gültig und relevant sind. Ich predige die niemanden und diktiere sie niemandem auf. Mit Iron & Stone habe ich ja noch eine Doom/Stoner-Rock Band am Start, in der auch niemand kifft. Was soll’s?

Schwierig wird es für mich nur in dem Moment, wenn Bands in ihrer Musik Themen behandeln/Standpunkte vertreten, aber diese in ihrem Handeln aber nicht erkennbar sind. Wenn ich antikapitalistische Texte und den großen Aufruf zur Revolution der Massen von Kids in Nike-Sneakern und kompletter North-Face-Montur vorgetragen bekomme, die „körperliche Arbeit“ nur aus der Theorie kennen, dann kann ich da nur drüber lachen. Authentisch ist was anderes. Inhalte werden da komplett zur Pose reduziert.
 

Wie kam es dazu, dass Du mit TRIBÜNAL auf dem Hellhammer-Tribute vertreten bist ? 

Ich hatte in einem Online-Forum gelesen, dass der Chris noch Bands sucht und ihn daraufhin einfach angeschrieben. Er hatte Bock darauf und so habe ich „Crucifixion“ eingebolzt. Ich bin wirklich sehr glücklich, dass ich an dem Projekt teilhaben durfte. Hast du die fertige LP schon gesehen? Die ist schon was Besonderes. Chris hat da unfassbar viel Arbeit reingesteckt, da sind so viele liebevolle Details, bis auf das dem damaligem Original nachempfundene Textblatt/Werbeflyer. Das Line-Up ist natürlich ebenfalls Killer.

Für den alten Thrash gilt das gleiche wie für den alten Schweden-Death. Da steckt ja sehr viel Punk drin, sowohl in der Musik wie auch in der Attitüde. Das ist eine Sache, die mir heute viel zu kurz kommt. Dieses ganze Genre-Gewichse ist doch totaler Mist.
 

Da Du ja Vegetarier bist, würde mich interessieren, was Du darüber denkst, dass diejenigen, die Schlachthöfe und Tierversuchslabore errichten und mit der Qual und dem Ermorden der Tiere Geld verdienen, legal handeln, diejenigen, die Tierbefreiungen etc. durchführen, aber illegal handeln ? Meiner Meinung nach zeigt dies nur, wie krank unsere Welt ist..... 

Die moderne Gesellschaft ist definitiv ziemlich kaputt. Unsere Prioritäten sind komplett verschoben. In ihrer Angst und Verzweiflung entfremden sich die Menschen immer weiter von dem, was ihnen eigentlich helfen würde. Die Art und Weise wie wir mit Tieren umgehen, ist da nur ein Symptom. Anstatt die einfachen Dinge, uns selber, den anderen, unsere Umwelt zu schätzen, betäuben wir uns durch das Streben nach Dingen, von denen wir uns Glück versprechen, verlieren uns in Neid. Und wenn wir das vermeintliche Ziel erreicht haben, fühlen nach kurzer Zeit wieder Leere und die Suche geht weiter. Wir tun so, als würden wir nach allumfassender Freiheit streben, wollen aber die damit verbundene Verantwortung nicht akzeptieren.

Wie gestört unser Verhältnis zu Tieren ist, kann man ja daran erkenne, dass Tiere rechtlich wie „Gegenstände“ behandelt werden und nicht als Lebewesen. Haustiere sind Teil der Familie, Kühe und Schweine sind aber zum Essen da. Die Perversität der massenhaften Fleischproduktion will ich hier gar nicht erst erwähnen. Alles nichts Neues, ich weiss. Besser macht es das aber auch nicht.

Ich bin selber seit 16 Jahren Ovolacto-Vegetarier. Für den Großteil der Gesellschaft schon exotisch, aber im Grunde genommen ja kein allzu großer Schritt. Milch kaufe ich weiterhin im Supermarkt, Eier bekomme ich mittlerweile von den Hühnern vom Nachbargrundstück (die beiden Hennen wurden quasi vor der Schlachtung gerettet).
 

Kennst Du es auch, dass sich manche Menschen regelrecht provoziert fühlen, wenn man sagt, dass man grundsätzlich keinen Alkohol trinkt ?  

Meiner Erfahrung nach beschränkt sich das gar nicht auf Alkohol, sondern auf jeglichen moralisch/ethisch begründeten Verzicht. Bizarr finde ich, dass einem häufig das Gespräch darüber aufgedrängt wird („Isst du denn kein Fleisch?“) und im Gegenzug kritisiert wird, die Vegetarier/Veganer wollten jeden bekehren und jedem die eigene Meinung aufzwingen, wollten permanent über das Thema sprechen, missionieren. Ich persönlich möchte mit niemandem drüber sprechen, sondern in Ruhe essen. 

Lustig ist, dass ich offensichtlich nicht in das übliche Bild des Vegetariers passe. In den oben beschriebenen Situationen habe ich dadurch vielleicht den Vorteil, dass meine Gesprächspartner oft leicht verunsichert und irritiert sind. Besonders, wenn mir so ein 80kg Hansel erklären will, er sei „Fleischfresser“ und könne seinen Proteinbedarf nur so decken.

Mir kommt es so vor, als wäre es häufig das schlechte Gewissen, dass da spricht. Die Menschen wissen, dass es eigentlich falsch ist und versuchen trotzdem krampfhaft, ihr Handeln zu rechtfertigen und nach Argumenten zu suchen. „Bio ist doch nur Abzocke!“ ist auch so eine Floskel. Die Häme, die durchbricht, sobald es negative Schlagzeilen zu Bioprodukten oder vegetarischer/veganer Ernährung gibt, sprechen da Bände.
 
Da Du ja auch schon länger dabei bist: Was fandest Du früher in oder an der „Szene“ besser, was heutzutage ?

Das ist eine schwierige Frage. Ich will ja nicht nach „verbittertem, alten Sack“ klingen, hahaha. Aber es gibt tatsächlich Dinge, die mir vor 15 oder 20 Jahren besser gefallen haben, als heute. Die aktuell übertriebene „Professionalisierung“ der Musik zum Beispiel. Anstatt alle Energie in die Musik zu stecken, die man liebt, wird heute selbst bei neuen, kleinen Bands viel Kraft in Marketing und Analyse der Zielgruppe gesteckt. Jede Band hat mindestens drei Shirtdesigns, bevor der erste Ton aufgenommen wurde. Youtube- und Facebook-Reichweite sind Qualitätsindikatoren für Bands. Merchverkäufe werden in Excel-Sheets eingetragen und analysiert. Inhalte treten komplett in den Hintergrund oder werden durch die Präsentation/das Handeln der Band pervertiert. Wobei sich was den letzten Punkt angeht, die Situation scheinbar verbessert. Bands wie XRepentenanceX sind erfolgreich, authentisch und haben eine eindeutige Message.

Allgemein ist mir da heute oft zu viel Pose und zu wenig Substanz. Passion und Authentizität fehlen häufig komplett. Alles ist nur noch „Produkt“. Es wird nur reproduziert, was der Konsument von einer Band der jeweiligen Szene erwartet.

Dafür ist es toll, wie leicht und schnell heute kommuniziert werden kann. Um vernünftige Aufnahmen zu machen, muss man nicht mehr zwingend Unsummen für ein Studio ausgeben, sondern kann auch gute Demos (oder auch richtige Veröffentlichungen) zuhause produzieren.


Was bringt die Zukunft für TRIBÜNAL ? Gibt es schon weitere konkrete Pläne bezüglich neuen Veröffentlichungen ? Und würdest Du mal gerne mit anderen Musikern mit TRIBÜNAL live spielen ?
 
Eigentlich sollte in diesen Tage eine 7“ erscheinen, leider habe ich aber schon seit einiger Zeit nichts mehr von dem Label gehört. Vielleicht stelle ich die Songs einfach bei Bandcamp ein oder mache noch einmal ein DIY-Tape. Im Zuge des Hellhammer-Samplers hatte ich mit Chris von Fucking Kill Records über eine TRIBÜNAL Veröffentlichung gesprochen. Mal schauen, ob sich da was ergibt. Neue Songs sind jedenfalls in Arbeit und ich bin sehr zufrieden, mit dem bisherigen Stand. Der Sound geht weiter in die Richtung, die ich auf „Watch You Suffer“ eingeschlagen habe. Also sehr metallisch, etwas komplexere (aber allgemein immer noch eher simple) Strukturen, hauptsächlich Gebretter, aber hier und da auch mal Midtempo.

Ich hatte tatsächlich diverse Anfragen für TRIBÜNAL Liveshows. Im Studio habe ich mich mit der Situation, singen zu müssen, mittlerweile ganz gut arrangiert. Live könnte ich das aber noch nicht. Und schon gar nicht nebenbei Gitarre spielen. Ich gehe also nicht davon aus, dass TRIBÜNAL in nächster Zeit Bühnenluft schnuppern werden. Das ist aber auch nicht schlimm. Ich bin mit der bisherigen Entwicklung des Projektes ausgesprochen glücklich und zufrieden.
 

Die letzten Worte gehören Dir !

Vielen Dank nochmal für die Interviewanfrage. Falls jemand etwas zu meinen Antworten loswerden will, Fragen hat oder was auch immer, dann schreibt mir: tribunal.dtakt@gmail.com

Alles weitere zu TRIBÜNAL gibt es auf meiner Facebook-Seite, alle Releases auf meiner Bandcamp-Seite. Wer Bock hat, checkt auch meinen anderen Bands/Projekte Iron & Stone (Doom), PTRKLPPL (Powerviolence) und Cerberus (90ies-SxE-Mosh).







Freitag, 6. Mai 2016

for every life for liberation / we're dedicated to bringing freedom for all enslaved / tear the blindfold from over your eyes / forget all that you thought you once knew / after 10, 000 years of telling lies / dedicated to spreading the truth / taking pride in this path that we tread / in defense of the earth / speaking out so the words of the voiceless can finally be heard / now's the time to take action for freedom / and justice deserved / fight for life / take a stand / for truth and compassion / there's no time to wait for change / show dedication / through your words and your actions / together we can end their suffering / total liberation / smash hierarchy / don't buy into authority / strive for sustainability / resources are running out / discontent because we're not free / oppressors act out of greed / compassion and equality / are both necessary / reject the myths we were taught to believe / it's time to deprogram ourselves / question stereotypes and traditions / follow no gods, no masters / look at the root of racism, sexism, speciesism / and you'll see, it's all been fabricated to keep us apart / break down / the barriers / that enslave us all