Sonntag, 16. April 2017

Dieses Interview führte ich vor einigen Jahren für das LEGACY-Magazin. TINTA LEAL haben sich wohl leider 2014 aufgelöst, vor kurzem bin ich über dieses Interview gestolpert, das ich Euch dennoch nicht vorenthalten will......

Mit TINTA LEAL Leal hat Ralf Garcia, vormals tätig bei den Death Metallern von Requiem,ein lupenreines Hardcore-Album eingespielt. Zu seinen Beweggründen dafür und darüberhinaus hat der Musiker viel zu erzählen.

 
So werden sich auch einige unserer Leser in der musikalischen Sozialisation des umtriebigen Musikers wiederfinden. „ Meine eigentlichen musikalischen Wurzeln liegen auch eigentlich im Bereich Punk / Hardcore. Ich bin in Konstanz am Bodensee aufgewachsen. Als Jugendlicher ohne grosse Pläne und Perspektiven war ich Mitte / Ende der 80er sehr oft bei Konzerten im örtlichen Autonomen Jugendzentrum und anderen alternativen Clubs und konnte dort zum Beispiel Shows von Bands wie The Exploited, Mucky Pup, Poison Idea, Negazione oder den Spermbirds miterleben. Damals war es aber oft so, dass Punk / Hardcore-Bands zusammen mit Thrash / Metal-Acts am selben Abend zusammen spielten. Ich bin also dementsprechend als klassisches 80er Crossover-Kid musikalisch sozialisiert worden. Die Einordnung der Stile war damals noch nicht so stark abgegrenzt. Egal ob Punks, Langhaarige oder Youth Crew-Leute, alle haben dieselben Bands gesehen und zusammen gefeiert. Es war völlig normal Metallicas „Kill 'Em All“ und gleichzeitig auch Raw Power, Cryptic Slaughter, GBH, Discharge oder die bereits erwähnten Exploited zu hören. Damals entdeckte ich auch Bands wie Minor Threat, D.R.I., Youth Of Today, Slapshot, Verbal Abuse, Cro-Mags, Sick Of It All, Rich Kids On LSD, Gorilla Biscuits, Excel, Suicidal Tendencies und viele mehr. Gleichzeitig und später kamen dann auch Platten von Bands wie Anthrax, Exodus, Possessed, Death, Slaughter, Dismember und Entombed in meinen Besitz.
Hardcore hat mich aber über all die Jahre ständig und täglich begleitet und ist ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Bestandteil meiner musikalischen Sozialisation. Die direkte, simple und räudige Echtheit und Einfachheit der meisten Punk / Hardcore-Bands hat mich schon immer mehr begeistert als irgendwelche komplexen Kompositionen mit „einer Millionen“ Akordwechseln.“


 Die Idee, TINTA LEAL zu gründen, spukte demzufolge auch schon länger in Ralfs Kopf herum.
„Mitte 2011 traf ich für mich die Entscheidung Requiem zu verlassen und mich auf meine damals noch unerfüllten Musikerwünsche zu konzentrieren. Ich begann noch intensiver Songs und Texte zu schrieben und hatte in relativ kurzer Zeit schon ca. 20 Songs zusammen. Alles weitere was dann geschah, war im Detail noch gar nicht so geplant von mir, wie es sich dann später entwickeln sollte.
Vieles hat sich dann einfach ergeben, weshalb die ganze Angelegenheit selbst eine grundsätzlich echte, nicht erwungene, lockere, aber trotzdem professionelle Sache geworden ist. Im Dezember kam dann mein guter Freund Steve (Gurd, ex-Messiah) auf mich zu und teilte mir mit, dass er wieder Lust und Zeit hätte, mit mir in einer Band zu spielen. Ich spielte ihm die Songs vor, buchte einen Studiotermein bei V.O. Pulver (Gurd) und brachte so die Sache ins Laufen. Danach holte ich Tom von Cataract mit ins Boot. Er war von den Sachen genauso begeistert wie ich. Und mit dieser Besetzung spielten wir dann das Debütalbum ein. Als Gäste für die Backing-Vocals fungierte u.a. Andreas „Westi“ Westphal (ex-Guerilla, Contradiction, ex-Vale Tudo). Bei Tom war klar, dass er recht eingespannt sein wird mit Cataract und live nicht für den Gitarrenposten zur Verfügung steht.So schrieb ich die offenen Posten in Anzeigen aus, und nach einigen, auch recht obskuren Rückmeldungen, traf ich auf einen alten Bekannten namens Jose Venegas. Insofern sieht so das heutige Live- Line-Up aus: Steve Karrer an den Drums, Andreas Westphal am Bass , Jose Venegas an der Gitarre und ich übernehme die Vocals. Alles sind alte erfahrene Band-, Tour-, Studio- und Live-Veteranen, mit einer ähnlichen musikalischen Vorgeschichte.“ Gerade bei einer Hardcore-Band will man doch auch wissen, ob politisches Bewusstsein vorhanden ist. Der Text zu „Changes Never Remain“ malt z.B. in bester Crustmanier ein düsteres Bild der Welt und Gesellschaft.
„Zuerst muss ich mal anmerken, dass wirkungsvolle Stilmittel wie Humor, Ironie und Sarkasmus in allen Texten vertielt immer mal wieder zu finden sind. Mir war es wichtig, eine positive, ehrliche und authentische Platte zu machen mit einer dementsprechenden Message. So geht es z.B. bei „Mr. And Mrs. Know-It-All“ über all die Besserwisser und die selbsternannte Szene-Elite, welche es ja überall gibt, nicht nur im Punk / Hardcore. Natürlich muss man aber auch dies mit einem Augenzwinkern sehen. Persönliche Themen verbaue ich ebenfalls auch immer wieder, so in dem Text zu „Are You Done ?“. Dieser handelt davon, dass ich einen grossen Teil meines Lebens aus Zurückhaltung, Höflichkeit und vielleicht auch aus Angst und einem instabilen Selbstbewusstsein heraus oft „nach der Pfeife von anderen Leuten getanzt“ habe. Im Nachhinein habe ich aber erkannt, dass genau diese Leute, welche es angeblich immer nur gut meinten, mich letztendlich ausgebremst hatten und mich bei der Verwirklichung von Plänen extrem behindert haben.
Und last but not least möchte ich noch „Hacemos Lo Que Queremos“ nennen, was übersetzt, „wir machen was wir wollen“ bedeutet. Hierbei handelt es sich um eine Lebenserfahrung, dass man sich von äusseren und inneren Zwängen manchmal befreien muss, um einer Weiterentwicklung Platz zu machen oder einen gewünschten Weg zu gehen.“

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