Sonntag, 12. Februar 2017

„Ich hab' gehört, man sagt, das Leben sei wie ein Fluß, und wir alle wären nur winzige Fische, die sich durch das Eis, das Tauwetter und den Fluß quälen. Manchmal löst ein wichtiges Ereignis wie eine Geburt oder ein Todesfall eine Änderung der Strömung aus.
Und manchmal ist es einfach nur dein bester Freund, der eines Abends früher nach Hause geht.“



Mit diesen Worten beginnt der Film „New York Saints“, ein Film, in dem es um Themen wie das Erwachsenwerden, Liebe, Tod und verschiedene Lebensentwürfe geht. Ich habe nun gelernt, dass man diese Kategorie wohl "Coming-of-age" nennt, also Filme, deren jugendliche Helden von grundlegend menschlichen Fragen bewegt werden.

Aber nun zum groben Abriss der Story:
Am Silvesterabend des Jahres 1987, bekommen Jude (Asa Butterfield) und sein bester Freund Teddy (Avan Jogia) in ihrer kleinem Heimatstadt, einem ziemlichem Kaff, in dem die beiden Freunde die Zeit auch mit Drogenkonsum totschlagen, Besuch von einer ihrer neuen Bekanntschaft Eliza (Haillee Steinfeld), welche die Tochter der neuen Freundin seines Vaters Les (Ethan Hawke) ist, der in Manhattan lebt. In der Nacht geht es hoch her, die beiden Jungen nehmen Drogen und schlafen im Schnee vor dem Haus ein. Teddy ist am nächsten Morgen tot.

Jude ist daraufhin so am Boden zerstört, dass er zu seinem Vater nach Manhattan zieht. Dort begegenet er Johnny (Emile Hirsch), der in einer Band namens Army of One singt, Hare-Krishna praktiziert, in einem besetzten Haus lebt und Straight Edger ist.

Jude trifft auch erneut auf Eliza. Er bemerkt, dass Eliza schwanger ist-von seinem verstorbenen Freund Teddy. In den wenigen Stunden, die sich Eliza und Teddy kannten, zeugten sie ein Kind. Was dies für Eliza bedeutet, wird in einer Szene klar, als sie erwähnt, dass sie sich kaum noch daran erinnert, wie Teddy aussah. Das im Einführungszitat erwähnte frühere Nach-Hause-gehen des Freundes führt übrigens dazu, dass Jude den Streit seiner Eltern mitbekommt, dessen Anlass die Tatsache ist, dass sein Vater die Freundin der Mutter geschwängert hat. Die Mutter verbannt den Vater aus dem Haus und er muss im Gewächshaus übernachten, im nun darauffolgenden Vater-Sohn-Gespräch erfährt Jude, dass sein Vater nicht sein leiblicher Vater ist....Weiter will ich hier die Story aber nicht ausführen....

Das ganze basiert auf dem Roman „10.000 Saints“ von Eleanor Henderson. Eingebettet ist das Ganze zeitlich und thematisch in das New York der 80er Jahre, genauer gesagt, die Punk und Hardcore bzw. Straight Edge- Szene. Deswegen habe ich mir den Film auf DVD gekauft, die Geschichte an sich hätte aber auch in einen anderen Kontext stattfinden können, Hardcore-Anhänger werden den Film aber erst recht mögen, zudem auch gut recherchiert wurde. So wird am Anfang ein Konzert der MISFITS mit den BEASTIE BOYS und NECROS erwähnt, und nach etwas Internet-Recherche habe ich herausgefunden, dass diese Konzert tatsächlich stattgefunden hat, und zwar am 25. Juni 1982. Hier ist das dazugehörige Plakat:


Die fiktive Straight Edge Band ARMY OF ONE, die auch mal MINOR THREAT covert, wirkt im Film relativ authentisch, die tatöwierten Xe und vor allem das „True till death“ -Tattoos auf der Brust eines Bandmitgliedes eher weniger, den wenn ich mich recht erinnere, prägten diesen Slogan innerhalb der Straight Edge-Community doch CHAIN OF STRENGTH mit ihrer erst 1989 erschienen  EP und Song namens "True till death". Und im Hare-Krishna-Tempel, in dem Johnny von Army of One eine Art Zeremonienmeister ist, tragen Leute auch schon mal ein Shirt von BL'AST.

Eins vorweg: ich war noch nie in New York, und erst recht kann ich nicht beurteilen, wie es vor ca. 30 Jahren im East Village aussah. Im Film sieht es zumindest wirklich ziemlich abgefuckt aus, überall lungern Obdachlose rum und die Häuser sind total abgewrackt. In diesem Zusammenhang kann ich mich auch daran erinnern, dass AGNOSTIC FRONT sich in neueren Interviews über die "Aufwertung" bzw. Gentrifizierung grosser Teile von New York beschweren, und sagen, es sei nicht mehr "ihre" Stadt, der Spirit der alten Tage sei verschwunden. Klar, ich bin auch kein Fan von sterilen Einkaufsmalls, und natürlich besteht die Problematik, in vielen grossen Städten, dass sich viele Menschen dort kaum noch Wohnraum leisten können. In Deutschland dürfte das krasseste Beispiel wohl Sylt sein, wo viele Einheimische mittlerweile nach 30 Jahre etc. die Insel verlassen müssen, weil die Mieten derart astronomisch angestiegen sind und ganze Dörfer verwaisen, weil die Besitzer nur für 5 Wochen im Jahr in ihr Zwei-Millionen-Reetdach-Haus kommen.
Okay, ich schweife ab. Ich könnte mir nur vorstellen, dass AGNOSTIC FRONT da auch eine Idealisierung und Verklärung der Vergangenheit vornehmen, in  Text zu "Old New York" (vom letzten Album "The American dream died") heisst es:....."There was violence in the streets"......"Where's all the gangs, drug dealers...." Na ja, so toll und idyllisch hört sich das jetzt auch nicht an, finde ich zumindest.

Fazit: kein Film, der Dein Leben verändern wird, aber dennoch zum Nachdenken anregt. Und für Hardcoreler sowieso interessant.