Dienstag, 20. Juni 2017

Der Blog Sieben Zoll Musik  (in dem es, wie der Name schon sagt, um 7" Singles geht)  hat ein Interview mit Cologne Straight Edge geführt.
Ich kann diesen Blog nur sehr empfehlen, der Macher verfügt über einen ziemlich guten Schreibstil und hat interessante Anekdoten am Start (etwa, wie er vollkommen zufällig jemanden von Turbostaat auf einem Berliner Spielplatz trifft, weil sich beide dort als Väter mit ihren Kids aufhalten). Zudem kann man dort auch musikalisch das ein oder andere Kleinod entdecken, schaut auf jeden Fall mal rein.

Mittwoch, 31. Mai 2017

SEEIN´RED, eine Band, die ich immer sehr mochte....hier die Abschieds EP mit den finalen Aufnahmen.


Sonntag, 16. April 2017

Dieses Interview führte ich vor einigen Jahren für das LEGACY-Magazin. TINTA LEAL haben sich wohl leider 2014 aufgelöst, vor kurzem bin ich über dieses Interview gestolpert, das ich Euch dennoch nicht vorenthalten will......

Mit TINTA LEAL Leal hat Ralf Garcia, vormals tätig bei den Death Metallern von Requiem,ein lupenreines Hardcore-Album eingespielt. Zu seinen Beweggründen dafür und darüberhinaus hat der Musiker viel zu erzählen.

 
So werden sich auch einige unserer Leser in der musikalischen Sozialisation des umtriebigen Musikers wiederfinden. „ Meine eigentlichen musikalischen Wurzeln liegen auch eigentlich im Bereich Punk / Hardcore. Ich bin in Konstanz am Bodensee aufgewachsen. Als Jugendlicher ohne grosse Pläne und Perspektiven war ich Mitte / Ende der 80er sehr oft bei Konzerten im örtlichen Autonomen Jugendzentrum und anderen alternativen Clubs und konnte dort zum Beispiel Shows von Bands wie The Exploited, Mucky Pup, Poison Idea, Negazione oder den Spermbirds miterleben. Damals war es aber oft so, dass Punk / Hardcore-Bands zusammen mit Thrash / Metal-Acts am selben Abend zusammen spielten. Ich bin also dementsprechend als klassisches 80er Crossover-Kid musikalisch sozialisiert worden. Die Einordnung der Stile war damals noch nicht so stark abgegrenzt. Egal ob Punks, Langhaarige oder Youth Crew-Leute, alle haben dieselben Bands gesehen und zusammen gefeiert. Es war völlig normal Metallicas „Kill 'Em All“ und gleichzeitig auch Raw Power, Cryptic Slaughter, GBH, Discharge oder die bereits erwähnten Exploited zu hören. Damals entdeckte ich auch Bands wie Minor Threat, D.R.I., Youth Of Today, Slapshot, Verbal Abuse, Cro-Mags, Sick Of It All, Rich Kids On LSD, Gorilla Biscuits, Excel, Suicidal Tendencies und viele mehr. Gleichzeitig und später kamen dann auch Platten von Bands wie Anthrax, Exodus, Possessed, Death, Slaughter, Dismember und Entombed in meinen Besitz.
Hardcore hat mich aber über all die Jahre ständig und täglich begleitet und ist ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Bestandteil meiner musikalischen Sozialisation. Die direkte, simple und räudige Echtheit und Einfachheit der meisten Punk / Hardcore-Bands hat mich schon immer mehr begeistert als irgendwelche komplexen Kompositionen mit „einer Millionen“ Akordwechseln.“


 Die Idee, TINTA LEAL zu gründen, spukte demzufolge auch schon länger in Ralfs Kopf herum.
„Mitte 2011 traf ich für mich die Entscheidung Requiem zu verlassen und mich auf meine damals noch unerfüllten Musikerwünsche zu konzentrieren. Ich begann noch intensiver Songs und Texte zu schrieben und hatte in relativ kurzer Zeit schon ca. 20 Songs zusammen. Alles weitere was dann geschah, war im Detail noch gar nicht so geplant von mir, wie es sich dann später entwickeln sollte.
Vieles hat sich dann einfach ergeben, weshalb die ganze Angelegenheit selbst eine grundsätzlich echte, nicht erwungene, lockere, aber trotzdem professionelle Sache geworden ist. Im Dezember kam dann mein guter Freund Steve (Gurd, ex-Messiah) auf mich zu und teilte mir mit, dass er wieder Lust und Zeit hätte, mit mir in einer Band zu spielen. Ich spielte ihm die Songs vor, buchte einen Studiotermein bei V.O. Pulver (Gurd) und brachte so die Sache ins Laufen. Danach holte ich Tom von Cataract mit ins Boot. Er war von den Sachen genauso begeistert wie ich. Und mit dieser Besetzung spielten wir dann das Debütalbum ein. Als Gäste für die Backing-Vocals fungierte u.a. Andreas „Westi“ Westphal (ex-Guerilla, Contradiction, ex-Vale Tudo). Bei Tom war klar, dass er recht eingespannt sein wird mit Cataract und live nicht für den Gitarrenposten zur Verfügung steht.So schrieb ich die offenen Posten in Anzeigen aus, und nach einigen, auch recht obskuren Rückmeldungen, traf ich auf einen alten Bekannten namens Jose Venegas. Insofern sieht so das heutige Live- Line-Up aus: Steve Karrer an den Drums, Andreas Westphal am Bass , Jose Venegas an der Gitarre und ich übernehme die Vocals. Alles sind alte erfahrene Band-, Tour-, Studio- und Live-Veteranen, mit einer ähnlichen musikalischen Vorgeschichte.“ Gerade bei einer Hardcore-Band will man doch auch wissen, ob politisches Bewusstsein vorhanden ist. Der Text zu „Changes Never Remain“ malt z.B. in bester Crustmanier ein düsteres Bild der Welt und Gesellschaft.
„Zuerst muss ich mal anmerken, dass wirkungsvolle Stilmittel wie Humor, Ironie und Sarkasmus in allen Texten vertielt immer mal wieder zu finden sind. Mir war es wichtig, eine positive, ehrliche und authentische Platte zu machen mit einer dementsprechenden Message. So geht es z.B. bei „Mr. And Mrs. Know-It-All“ über all die Besserwisser und die selbsternannte Szene-Elite, welche es ja überall gibt, nicht nur im Punk / Hardcore. Natürlich muss man aber auch dies mit einem Augenzwinkern sehen. Persönliche Themen verbaue ich ebenfalls auch immer wieder, so in dem Text zu „Are You Done ?“. Dieser handelt davon, dass ich einen grossen Teil meines Lebens aus Zurückhaltung, Höflichkeit und vielleicht auch aus Angst und einem instabilen Selbstbewusstsein heraus oft „nach der Pfeife von anderen Leuten getanzt“ habe. Im Nachhinein habe ich aber erkannt, dass genau diese Leute, welche es angeblich immer nur gut meinten, mich letztendlich ausgebremst hatten und mich bei der Verwirklichung von Plänen extrem behindert haben.
Und last but not least möchte ich noch „Hacemos Lo Que Queremos“ nennen, was übersetzt, „wir machen was wir wollen“ bedeutet. Hierbei handelt es sich um eine Lebenserfahrung, dass man sich von äusseren und inneren Zwängen manchmal befreien muss, um einer Weiterentwicklung Platz zu machen oder einen gewünschten Weg zu gehen.“

Sonntag, 12. Februar 2017

„Ich hab' gehört, man sagt, das Leben sei wie ein Fluß, und wir alle wären nur winzige Fische, die sich durch das Eis, das Tauwetter und den Fluß quälen. Manchmal löst ein wichtiges Ereignis wie eine Geburt oder ein Todesfall eine Änderung der Strömung aus.
Und manchmal ist es einfach nur dein bester Freund, der eines Abends früher nach Hause geht.“



Mit diesen Worten beginnt der Film „New York Saints“, ein Film, in dem es um Themen wie das Erwachsenwerden, Liebe, Tod und verschiedene Lebensentwürfe geht. Ich habe nun gelernt, dass man diese Kategorie wohl "Coming-of-age" nennt, also Filme, deren jugendliche Helden von grundlegend menschlichen Fragen bewegt werden.

Aber nun zum groben Abriss der Story:
Am Silvesterabend des Jahres 1987, bekommen Jude (Asa Butterfield) und sein bester Freund Teddy (Avan Jogia) in ihrer kleinem Heimatstadt, einem ziemlichem Kaff, in dem die beiden Freunde die Zeit auch mit Drogenkonsum totschlagen, Besuch von einer ihrer neuen Bekanntschaft Eliza (Haillee Steinfeld), welche die Tochter der neuen Freundin seines Vaters Les (Ethan Hawke) ist, der in Manhattan lebt. In der Nacht geht es hoch her, die beiden Jungen nehmen Drogen und schlafen im Schnee vor dem Haus ein. Teddy ist am nächsten Morgen tot.

Jude ist daraufhin so am Boden zerstört, dass er zu seinem Vater nach Manhattan zieht. Dort begegenet er Johnny (Emile Hirsch), der in einer Band namens Army of One singt, Hare-Krishna praktiziert, in einem besetzten Haus lebt und Straight Edger ist.

Jude trifft auch erneut auf Eliza. Er bemerkt, dass Eliza schwanger ist-von seinem verstorbenen Freund Teddy. In den wenigen Stunden, die sich Eliza und Teddy kannten, zeugten sie ein Kind. Was dies für Eliza bedeutet, wird in einer Szene klar, als sie erwähnt, dass sie sich kaum noch daran erinnert, wie Teddy aussah. Das im Einführungszitat erwähnte frühere Nach-Hause-gehen des Freundes führt übrigens dazu, dass Jude den Streit seiner Eltern mitbekommt, dessen Anlass die Tatsache ist, dass sein Vater die Freundin der Mutter geschwängert hat. Die Mutter verbannt den Vater aus dem Haus und er muss im Gewächshaus übernachten, im nun darauffolgenden Vater-Sohn-Gespräch erfährt Jude, dass sein Vater nicht sein leiblicher Vater ist....Weiter will ich hier die Story aber nicht ausführen....

Das ganze basiert auf dem Roman „10.000 Saints“ von Eleanor Henderson. Eingebettet ist das Ganze zeitlich und thematisch in das New York der 80er Jahre, genauer gesagt, die Punk und Hardcore bzw. Straight Edge- Szene. Deswegen habe ich mir den Film auf DVD gekauft, die Geschichte an sich hätte aber auch in einen anderen Kontext stattfinden können, Hardcore-Anhänger werden den Film aber erst recht mögen, zudem auch gut recherchiert wurde. So wird am Anfang ein Konzert der MISFITS mit den BEASTIE BOYS und NECROS erwähnt, und nach etwas Internet-Recherche habe ich herausgefunden, dass diese Konzert tatsächlich stattgefunden hat, und zwar am 25. Juni 1982. Hier ist das dazugehörige Plakat:


Die fiktive Straight Edge Band ARMY OF ONE, die auch mal MINOR THREAT covert, wirkt im Film relativ authentisch, die tatöwierten Xe und vor allem das „True till death“ -Tattoos auf der Brust eines Bandmitgliedes eher weniger, den wenn ich mich recht erinnere, prägten diesen Slogan innerhalb der Straight Edge-Community doch CHAIN OF STRENGTH mit ihrer erst 1989 erschienen  EP und Song namens "True till death". Und im Hare-Krishna-Tempel, in dem Johnny von Army of One eine Art Zeremonienmeister ist, tragen Leute auch schon mal ein Shirt von BL'AST.

Eins vorweg: ich war noch nie in New York, und erst recht kann ich nicht beurteilen, wie es vor ca. 30 Jahren im East Village aussah. Im Film sieht es zumindest wirklich ziemlich abgefuckt aus, überall lungern Obdachlose rum und die Häuser sind total abgewrackt. In diesem Zusammenhang kann ich mich auch daran erinnern, dass AGNOSTIC FRONT sich in neueren Interviews über die "Aufwertung" bzw. Gentrifizierung grosser Teile von New York beschweren, und sagen, es sei nicht mehr "ihre" Stadt, der Spirit der alten Tage sei verschwunden. Klar, ich bin auch kein Fan von sterilen Einkaufsmalls, und natürlich besteht die Problematik, in vielen grossen Städten, dass sich viele Menschen dort kaum noch Wohnraum leisten können. In Deutschland dürfte das krasseste Beispiel wohl Sylt sein, wo viele Einheimische mittlerweile nach 30 Jahre etc. die Insel verlassen müssen, weil die Mieten derart astronomisch angestiegen sind und ganze Dörfer verwaisen, weil die Besitzer nur für 5 Wochen im Jahr in ihr Zwei-Millionen-Reetdach-Haus kommen.
Okay, ich schweife ab. Ich könnte mir nur vorstellen, dass AGNOSTIC FRONT da auch eine Idealisierung und Verklärung der Vergangenheit vornehmen, in  Text zu "Old New York" (vom letzten Album "The American dream died") heisst es:....."There was violence in the streets"......"Where's all the gangs, drug dealers...." Na ja, so toll und idyllisch hört sich das jetzt auch nicht an, finde ich zumindest.

Fazit: kein Film, der Dein Leben verändern wird, aber dennoch zum Nachdenken anregt. Und für Hardcoreler sowieso interessant.






Sonntag, 22. Januar 2017

Hier nun ein Interview mit Miland "Mille" Petrozza, dem Frontmann, Gitarristen und Sänger der meiner bescheidenen Meinung nach momentan wichtigsten und besten Thrash Metal-Band weltweit (ja, auch noch vor Slayer). Aber das darf ja jeder sehen wie er mag. KREATOR begleiten mich nun schon weit über 20 Jahre in meiner Eigenschaft als Metalhörer, ihre Frühwerke wie "Endless Pain" oder "Pleasure to kill" sind legendär, ich mag aber auch die Alben ihrer experimentelle Phase, mit Ausnahme von "Renewal". Auch erinnere ich mich gerne an vergangene KREATOR-Konzerte, Milles Äusserungen in VIVAs "Metalla"-Sendung (erinnert sich noch wer ?) oder die "Thrash Altenessen"-Dokumentation. Das letzte Album namens "Phantom Antichrist" war eines der wichtigsten Metal-Alben der letzten Jahre (auch hier gilt: nur meine Meinung), und nun wird in einigen wenigen Tagen das neue Album veröffentlicht, auf das ich schon sehr gespannt bin, die beiden vorab veröffentlichten Tracks lassen wieder Großes erwarten. Mille antwortete zwar manchmal etwas kurz und knapp, habe ich aber Verständnis für, da zu dem Zeitpunkt des Interviews die Band noch im Studio war und insofern wohl nicht viel Zeit vorhanden war, abgesehen davon ist der Blog hier ja auch nicht das Rock Hard, ich fande es sowieso gut, dass Mille das gemacht hat..

Hey Mille, erstmal Danke, dass Du Dich bereit erklärt hast, das Interview zu machen !
Daran anschließend die erste Frage, KREATOR sind gerade im Studio, was kannst Du uns über das neue Album eventuell schon verraten ?

Das Album ist fertig, es heißt „Gods Of Violence“. Es ist zu 100% KREATOR !

Der Grund, warum ich Dich als Interviewpartner für Cologne Straight Edge ausgesucht habe, war auch der Fakt, dass Du vegan lebst. Du schriebst ja auch, dass Du zwar nicht Straight Edge bist, diesem Lebenstil aber positiv gegenüberstehst. Hattest Du mal Erfahrungen mit harten Drogen und wie waren diese ? Und was Alkohol betrifft, warst / bist Du, wenn Du nicht mehr nüchtern bist, der Typ, der dann eher euphorisch oder melancholisch wird ? Oder kriegst du unter dem Einfluss von (zuviel) Alkohol gar „Extreme Agressions“?

Ich habe in meinen jüngeren Jahren sehr viele Drogenerfahrungen gemacht. Da war alles bis auf Heroin dabei. Ich bin nicht generell dagegen, dass man mal Drogenerfahrungen macht, allerdings ist dabei große Vorsicht geboten. Meine Erfahrungen waren meist positiv, vor allem haben mir Pilze gefallen, da hier wirklich ein bewußtseinserweiterndes Erlebnis stattgefunden hat. Alle anderen Soft- Drogen kann man machen, muss man aber nicht. Von harten Drogen sollte man die Finger lassen. Zuviel Alkohol kommt bei mir heutzutage eigentlich eher selten vor und wenn, dann werde ich eher anhänglich als extrem aggressiv. Ich mag dann immer alle. Im nüchternen Zustand aber auch.


Ich meine gelesen zu haben, dass Du erstmal aus ganz pragmatischen Gründen aufgehört hast, Fleisch zu essen, weil Du eine Art Lebensmittelvergiftung auf einer US-Tour hattest, bei der Ihr immer in Fastfood-Restaurants gegessen hattet, stimmt das ?

Ja, das stimmt. Allerdings war das schon Ende der Achtziger. Ich war dann auch erst mal ein paar Jahre lang komplett vegetarisch und bin dann über einige Umwege zum Veganismus gekommen.

Ich finde das ja gut, dass Du auch deine Begeisterung für den Veganismus oder deine Einstellung bezüglich Tierrechten nicht im stillen Kämmerlein auslebst. Allerdings, das habe ich auch auf deiner Facebook-Seite gesehen, ärgern sich bzw. provoziert das einige Leute wohl sehr. Ich nenne die immer „Bierzelt-Metaller“, wobei ich es ja vollkommen in Ordnung finde, Alk zu trinken, soll ja jeder machen wie er/ sie will. Mit dem Begriff verbinde ich halt die Leute, die konservativer als der konservativste CSU-Anhänger sind, sprich, bei Metal darf es nur um Zombies, Gedärme und Satan gehen, auf musikalische Veränderung steht die Todesstrafe, und wehe, ein Metalmusiker äussert sich zu politischen Themen !! Das Absurdeste war, als sich mal jemand ernsthaft darüber echauffierte, das Napalm Death eine „Gegen Nazis“-Ansage, ich glaube es war auf dem Party San, gemacht hatten, weil politische Aussagen hätten im Metal ja nichts verloren.....Ich meine, dass Nazis scheisse sind, sollte ja wohl Konsens unter normalen Menschen sein, und zweitens haben diese Leute komischerweise kein Problem mit den Texten von irgendwelchen Pagan Metal Bands, wo es immer um so diffuse Blutlinien geht, was ja an sich eine klassische Annahme der extremen Rechten ist, wobei ich da vielen dieser Pagan Bands oft auch nur Naivität unterstelle....Insofern weiss man dann meistens, aus welcher Ecke bei solchen Leuten der Wind weht....Lange Rede, kurzer Sinn: Wirst Du oder wurdest Du für politische Aussagen oder deine vegane Lebensweise schon manchmal von Metal-Fans, oder sogar von KREATOR-Anhängern kritisiert oder sogar beschimpft, sei es persönlich oder per Email ? Falls ja, was antwortest Du diesen Leuten ?

Persönlich sagt mir sowieso nie jemand was ins Gesicht, das könnte auch unangenehm für die Person werden. Jeder hat heute halt seine „Meinung“, besonders in sozialen Netzwerken. Die meisten Fans sind jedoch sehr tolerant. Man nimmt oft halt nur diejenigen wahr, die dumme Kommentare von sich geben. Das Gefühl des Hasses versuche ich zu vermeiden. Dummheit in Verbindung mit Arroganz verachte ich jedoch zutiefst.

Ich bin ja Kölner, und meine Exkursionen in den Pott liegen schon länger zurück und waren auch damals nicht sehr zahlreich. Jetzt zwei Fragen: Was ist eigentlich mit den ganzen Beschäftigen aus der Bergbau-Industrie passiert, ich glaube Tom von Sodom war ja auch Elektriker (oder was ähnliches), der unter Tage gearbeitet hatte. Natürlich dürften nur, die wenigsten wie Tom ihren Lebensunterhalt mit Musik im allgemeinen oder Metal im Speziellen verdienen-sind da viele erfolgreich umgeschult worden, in die Frührente geschickt worden oder ist ein Großteil in die Arbeitslosigkeit entlassen worden ?

Es gibt im Ruhrgebiet viele Jobs, nur oft nicht in den Bereichen, für die die Region in den 80er, also vor 30(!) Jahren bekannt war. Mittlerweile hat sich der Pott ähnlich entwickelt, wie andere Regionen. Die meisten, die ich kenne, haben irgendwelche Jobs, oder schlagen sich als Künstler durch. Irgendwas geht immer.

Und die zweite Frage: In den Medien ist Duisburg-Marxloh immer mehr zum Synonym für einen Parallelgesellschaft geworden, für sozial abgehängte Menschen und einen Stadtteil, in den sich sogar angeblich die Polizei nicht mehr traut. Weißt Du da vielleicht als Ruhrpottler mehr, ist das von manchen Medien gnadenlos aufgebauscht, weil sich das halt skandalträchtig verkaufen lässt, oder entspricht dies mehr oder weniger der Realität ?

Also über Duisburg kann ich nicht viel sagen, außer das ich die Stadt sehr mag und mich dort noch nie bedroht gefühlt habe. Kürzlich hat man ähnliches über Altenessen geschrieben. Angeblich sei das nun eine No Go-Area. Ich glaube, dass solche Stadtteile oft unterschätzt werden. Es leben dort Menschen aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten friedlich miteinander. Es gibt überall auf der Welt obskure Gestalten. Das lässt sich glücklicherweise nicht auf bestimmte Gebiete begrenzen. Ich jedenfalls, hatte eine geradezu beschauliche Kindheit in Altenessen und durfte dort ganz wunderbare Leute kennenlernen.

Wie findest Du die aktuellen Platten von Sodom und Destruction ? Was sagst Du zum letzten Slayer-Album und wie findest du den neuen Metallica-Track ? Und hörst Du auch manchmal von anderen prominenten Musikern, wie sie Kreator finden ? Könnte ja sein, dass Bands wie Slayer, Machine Head, Sepultura oder sogar Metallica mal eine Mail schreiben (wenn sie es nicht öffentlich sagen), das sie Album XY ganz gut finden etc....

Alle oben genannten Alben finde ich sehr gut. Die meisten Bands kennen sich untereinander. Als wir unseren neuen Clip veröffentlicht haben, kamen Mails und FB Nachrichten von Slayer, Exodus, Fear Factory, Paradise Lost, Arch Enemy und Born from Pain. Du siehst, wir sind eine große Metal-Familie ;-).


Ich habe in den letzten Jahren den Eindruck, dass es immer mehr Leute gibt, die auch eure experimentelle Phase gut finden, vielleicht auch erst im Nachhinein, weil sie mittlerweile toleranter geworden sind. Deckt sich das mit deinen Erfahrungen ?

Absolut! Endorama wird demnächst sogar neu gemixt und mit Bonus-Material neu veröffentlicht. Da freue ich mich sehr drauf.

Und zu guter letzt würde ich gerne deine Punk /Hc-Sozialisation erfahren, bzw. deine aktuellen und deine All-Time Faves !
Für mich ist HC und Punk Rock meine zweite große Liebe meines Lebens. Bands wie Gorilla Buiscuits, Dead Kennedys, Misfits, Youth Of Today und viele andere haben mein Einstellung zu den unterschiedlichsten Dingen sehr geprägt.
Aktuelle Faves: Descendents – Die Neue.
All time HC+Punk Faves: Bad Religion-Suffer, Misfits-Alles, Slime- Alle gegen Alle, Gorilla Buiscuits-Start Today.

Die letzten Worte gehören dir !
Oi! Gruß Mille.