Mittwoch, 29. Juni 2016

„Wer auch immer ein einziges Leben rettet, der ist, als ob er die ganze Welt gerettet hätte”

 

Nun liegt endlich das lange versprochene Interview mit SCHLACHTUNG vor. Ich muss dazu sagen, dass ich die Band damals in der Demo-Ecke des Rock Hard entdeckte, und mir ihre grindig-crustigen Songs damals schon sehr gefielen, zusätzlich punktete die Band noch mir einer radikalen Animal Rights-Attitüde. Die neuen Songs sind aber nochmals eine Steigerung zum schon sehr guten Vorgänger, sie sind vielschichtiger, da hier auch verstärkt Elemente aus dem Black Metal eingeflossen sind. Zudem will ich nicht unerwähnt lassen, das mir selten so reflektierte Gesprächspartner im Musikbereich über den Weg gelaufen sind, es ist eines der interessantesten Interviews geworden, die ich bisher geführt habe. Aber lest nun selbst..



Hallo, stellt die Band doch mal kurz vor. Seit wann gibt's euch, warum habt ihr die Band gegründet ?

Micha: Moin Gerald! Zu SCHLACHTUNG gehören Chris (6-Saiten), Holger (4-Saiten), Moritz (Trommel) und ich, Micha (Worte). Ursprünglich kamen wir alle aus Paderborn und direkter Umgebung, allerdings hat sich das arbeitsbedingt etwas geändert, sodass wir nun im Dreieck Paderborn – Münster – Lemgo leben, was besonders im Hinblick auf Proben natürlich gewisse Kompromissbereitschaft voraussetzt. Klappt aber, wenn man es will!
Uns als Band gibt es tatsächlich schon seit nunmehr fast sieben Jahren. Irgendwann 2009 – so genau weiß ich das gar nicht mehr – begannen die ersten Jam-Sessions, nachdem Chris infolge des Dahinsiechens seiner alten Band angefangen hatte, kurze grindig-crustige Songs zu schreiben. Holger, der Grindcore á la Extreme Noise Terror und Napalm Death neben Whisky vermutlich schon als Säugling im Fläschchen hatte (wir sind uns ziemlich sicher!), und er kamen auf irgendeiner Veranstaltung ins Gespräch und mit Moritz am Schlagzeug fanden dann die ersten Proben statt – wohlgemerkt noch ohne mich. Die Band war, bevor ich dazu kam, rein musikalisch orientiert – getreu dem Motto: Es gibt drei Beats: Blastbeat, D-Beat, Doublebass.
Nebenbei liefen aber noch die „Hauptbands“ von allen, sodass diese Band zunächst nur ein Projekt war. Das blieb auch so, als ich zur Band dazustieß. Wir kannten uns alle bereits durch unsere alten bzw. anderen Bands, hatten hier und da schon mal mehr oder minder miteinander gespielt und irgendwann fragten sie mich, ob ich dort nicht singen wolle, ich dürfe auch sehr gerne meine Überzeugung in die Texte packen, um dem ganzen dadurch eine extremere Note zu geben. Und zack, hatten sie mich! Denn ganz genau das tat ich dann auch. Da mir die Themen, die ich raus- schreie so am Herzen liegen, war es klar für mich, die ganze Geschichte auf deutsch durchzuziehen und das wird auch so bleiben.


Soweit ich das beurteilen kann, spielt ihr auf einem technisch ganz guten Niveau, insofern denke ich schon, dass es da einige Vorgänger-Bands gab, oder ?

Micha: Danke! Da freuen sich die Instrumentalisten, haha. Du hast völlig recht mit deiner Vermutung. Ich sprach ja schon davon, dass SCHLACHTUNG am Anfang insbesondere nur ein Projekt neben den Hauptbands war.
Chris' alte Deathmetal-Band Hexenhammer hat sich nach einem Album selbst in den Permafrost-Schlaf geschickt, sodass er der einzige war, der neben seinem Studium nichts musikalisch laufen hatte. Das führte dazu, dass er für SCHLACHTUNG nun umso mehr Power hatte, zumal er hier musikalisch seine Vision voll verfolgen konnte.
Holger war um die Jahrtausendwende mit Greed (groovender Neo-Thrash) ziemlich gut im Rennen, hatte zur Gründungszeit von SCHLACHTUNG allerdings Greed schon zu Grabe getragen, aber nicht ohne mit einigen der Greed-Jungs das Thrashmetal-Kommando Gods Will Be Done zu gründen. Du siehst – obwohl Holger der totale Grind-Maniac ist, hatte er bis dato keine solche Band, was schlicht dazu führen musste, dass er seit Gründung von SCHLACHTUNG mit vollem Herzblut dabei ist.
Moritz hat seine musikalischen Wurzeln im Hardcore und trommelte zunächst bei Intruder, später dann bei Steve Austin (Link zum kostenlosen Download der Discography bei Yakuzzi Tapes ist unten aufgeführt, lohnt sich !), welche für ihn wohl wohl die Brücke vom Hardcore zum Metal bildeten, wobei er zu der Zeit ohnehin schon viel Metalgeballer hörte. Ich glaube, Steve Austin war aber schon recht tot, als SCHLACHTUNG gegründet wurde. Im Jahr 2009 war Moritz dann mit Bloodwork (Melodic Death Metal) ziemlich erfolgreich auf den großen Festivals und in den Clubs in Deutschland und den angrenzenden Ländern unterwegs. SCHLACHTUNG war für ihn ein wichtiger Ausgleich neben den im Vergleich gemäßigteren Bloodwork, weshalb auch er Feuer und Flamme für dieses Projekt war, weil er endlich hemmungslos blasten konnte.
Ich habe zu der Zeit bei Despised gesungen, meiner Death Metal-Band, die ich 2003 mitbegründet hatte. Später, 2011, stieg ich dann auch als fester Sänger bei Bloodwork mit ein. Zu der Zeit, als wir SCHLACHTUNG formierten, war das aber noch nicht abzusehen.
Tja, und wie ich schon gesagt habe: ich war sehr motiviert, als mir klar wurde, dass ich meine Überzeugung in extremer Musik, irgendwo zwischen Death, Black und Grind, ausdrücken konnte.
Du merkst also – wir vier waren alle individuell extrem motiviert und mussten nur schauen wie wir  SCHLACHTUNG neben Job, Studium, Familie und anderen Bands gerecht werden konnten.

Samstag, 11. Juni 2016

Hier nun ein Interview mit Seb, dem Sänger der geilen MIND TRAP.
Seb war früher auch bei HIGHSCORE und danach bei SHORT FUSE, beides auch sehr gute Bands, zweitere haben vor kurzem noch einen Abschieds-Release veröffentlicht, ein paar letzte Gigs soll es auch noch geben, aber dazu mehr im Interview. Seb entpuppte sich als netter und reflektierter Gesprächspartner, dessen Ansichten ich grösstenteils teile. Lustig ist, dass wir vor etlichen Jahren mit unserer lokalen, längst nicht mehr existenten Konzertgruppe mal angedacht hatten, SHORT FUSE  zu veranstalten, was dann aber doch wieder verworfen wurde. So schliesst sich der Kreis. Aber lest selbst....


Hallo Seb, erzähl uns doch mehr über MIND TRAP-wann gründete sich die Band, aus welchen Beweggründen erfolgte die Gründung ? Wie sieht es mit Konzerten in nächster Zeit aus und wie waren die vergangenen ?

Na ja, die Idee für die Band ist in einer schlaflosen Nacht entstanden, in der auch die meisten der 'kitschigen' Demo-Texte entstanden. Es musste endlich mal eine Vegan Straight Edge - Band her ,haha !
Das war wohl so 2011/12 (?), und zu dem Zeitpunkt habe ich schon ein paar Jahre in Berlin gelebt und meine alte Band, Short Fuse, die eher in der Münsteraner Gegend angesiedelt war, lag schon länger auf Eis.
Es war von Anfang an klar, dass Wolfi Schlagzeug spielen sollte, und Jobst (der mittlerweile die Band wieder verlassen hat) auch dabei sein sollte. Problem war jemanden zu finden, der/die einen bestimmten Musikgeschmack und HC-Verständnis teilt und dann auch noch den Songschreiber - Part übernehmen könnte.

Victor, den ich über ein paar gemeinsame Freunde in Barcelona kennengelernt habe, war dann einfach das perfekte Match. Problem ist nur, dass er, und jetzt auch unser neue Bassist, in Moskau zuhause sind. Dadurch ist die Band recht 'langsam' und auch das live zusammenkommen um Shows zu spielen ist verdammt umständlich. 2013 ging's dann aber doch mit dem Demo los und wir haben es tatsächlich geschafft bis jetzt ein paar coole Shows zu spielen und sogar zu touren.


Da ich ja gerade Dich als Interviewpartner habe- warum lösten sich damals HIGHSCORE auf, was führte dann zu SHORT FUSE und dann wiederum zu MIND TRAP ? Welche guten und schlechten Erfahrungen hast Du mit beiden Bands gemacht, wie denkst Du an diese Zeiten zurück ?

Oh man, das könnten Romane werden, haha ! Mit zwei von den HIGHSCORE -Leuten (Matthias und Volker) bin ich schon zur Schule gegangen. Wir haben schon schon in den 80ern zusammen abgehangen und sind auch mehr oder weniger als so 'ne art 'peer group' gemeinsam zu Punk/Hc gekommen. Es gab von Anfang an schon irgendwelche Bands, zuerst wurden irgendwelche Sex Pistols-Sachen nachgespielt, später die Lieblings-NYC-HC Songs gecovert. Irgendwie ist da aber nie etwas draus geworden, bis sich dann fast ein Jahrzehnt später alle wieder in Münster getroffen haben und 1997 HIGHSCORE gegründet wurde. Jobst kannten wir schon von Shows, seinen Bands und seiner aktiven Zeit im Juzi-Göttingen. Der hat sich uns quasi aufgedrängt, daher die zweite Gitarre bei Higscore, haha. Den Bassisten Matze kannten wir nur vom Sehen, unter anderen von Konzerten, aber hauptsächlich weil der uns immer wieder im SSD-Sweater oder Infest -Shirt entgegengeskatet kam und so war klar, dass der Typ in die Band musste, der andere Matthias hat ihn dann rekrutiert. Ich glaube, dass wir ihm eher den ruppigere Fastcore-Anteil der Band zu verdanken haben. Der Rest stand damals eher auf Gorilla Buisits und Uniform Choice.

Highscore gab's dann auch sieben Jahre. Wir haben in den ersten vier Jahren gefühlt jedes Wochenende gespielt und meine Urlaube gingen komplett für's Touren drauf. Die Leute waren zum grössten Teil schon vor der Band meine Freunde und sind es immer noch. Musikalisch irgendwann ein Kompromiss, weil ich persönlich keinen Plan vom Songwriting habe und unsere Geschmäcker sich irgendwann etwas auseinander entwickelt haben. Irgendwann war dann die Luft endgültig raus und so gegen 2003 ist damals die Idee zu Short Fuse entstanden. Die Idee war, etwas roheren, dreckigen Hc-Punk ala frühe DC Sachen wie Youth Brigade und Iron Cross zu spielen. Es ging los als Zwei-Mann - Projekt mit Robin (Surf Nazis Must Die, Now Denial, Dean Dirg...), der drei Song für's erste Demo komplett selbst eingespielt hat. Ich hab dann drüber gesungen und damit sind wir dann auf die Suche nach Bandmitgliedern gegangen. 2004 lösten sich HIGHSCORE auf und SHORT FUSE hatte ein erstes Line-up (ohne Robin ) mit dem wir ein richtiges Demo aufgenommen haben und auch live spielen konnten. Nachdem wir 2007 in den USA getourt sind, gab es einen ersten Line-up Wechsel und Matthias hat dann den Gitarren-Part übernomme. Mit dem Typen im Boot wurde die Band vom Charakter her endlich zu dem was ich mir ursprünglich vorgestellt habe. Das lief dann so 'ne Weile, auch wenn die Band kaum jemand interessiert hatte. Als Acki dann aufhörte und Tim die 'Burnout' LP mit einspielte, hatten wir auch einen Tonträger draussen, mit dem wir absolut zufrieden waren. Wie bereits geschrieben, habe ich kurz darauf Münster den Rücken gekehrt und es ging nach Berlin. Wir haben uns vor kurzem aber doch noch aufgerauft um ein paar 'neue' Songs aufzunehmen, werden aber im Juli mit drei letzten Shows das endgültige Ende von SHORT FUSE besiegeln.